Chemisches Untersuchungsamt stellt Jahresbericht 2004 vor
06.08.2005
Alljährlich stellt das Chemische Untersuchungsamt der Stadt Hagen in einem ausführlichen Bericht seine Tätigkeiten und Aktivitäten im Rahmen der amtlichen Lebensmitteluntersuchung vor.
Das Arbeitsfeld umfasst auch Auftragsuntersuchungen für Exportgenehmigungen, Sachverständigengutachten sowie Betriebskontrollen, die gemeinsam mit den zuständigen Lebensmittelüberwachungsämtern der angeschlossenen Städte und Kreise durchgeführt werden.
Zudem werden regelmäßig Chemielaboranten und Lebensmittelchemie-Praktikanten ausgebildet. Das Chemische Untersuchungsamt der Stadt Hagen ist eine akkreditierte, amtlich anerkannte Untersuchungseinrichtung nach den Vorschriften der europäischen und internationalen Norm ISO 17025. Alle fünf Jahre hat sich das Amt einer Überprüfung durch die Akkreditierungsstelle zu unterziehen.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 5.666 Proben nach den Bestimmungen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG) untersucht.
Weitere 406 Proben betrafen Exportbescheinigungen, Ringversuchsproben, Auftragsuntersuchungen für andere amtliche Untersuchungsstellen und sonstige Aufträge.
Insgesamt wurden von den 35 Mitarbeitern des Amtes im letzten Jahr 6.072 Proben umfassend bearbeitet. Die Sachverständigen des Untersuchungsamtes sind in vielen nationalen sowie internationalen Gremien als Experten tätig. Darüber hinaus tragen sie durch Vorträge und Publikationen wichtige Ergebnisse der Tätigkeit des Amtes nach außen.
Die fortschreitende Globalisierung auch im Bereich der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und kosmetischen Mittel erfordert die Tätigkeit der Sachverständigen in derartigen Kommissionen. So waren Sachverständige des Amtes u. a. in Moskau sowie in Montreal und Quebec als Experten unterwegs.
Um eine gleichbleibende Qualität der Untersuchungsergebnisse zu gewährleisten, muss das Amt regelmäßig an Ringversuchen und Laborvergleichsuntersuchungen teilnehmen. Im letzten Jahr wurden 29 derartige Ringversuchsteilnahmen verzeichnet und hierbei 160 verschiedene Parameter überprüft.
Insgesamt wurden die Sachverständigen des Amtes zu 30 Betriebskontrollen innerhalb des Bezirkes hinzugezogen. Die apparative Ausstattung mit hochkomplizierten Analysegeräten konnte im Berichtsjahr um einige Geräte erweitert werden, andere Gerätschaften mussten dringend ersetzt werden. Somit ist das Amt, dank der Unterstützung der Träger, apparativ auf einem hohen Niveau tätig.
Die Bilanz der Tätigkeit des Untersuchungsamtes wird nicht nur an der Zahl der untersuchten Proben gemessen, sondern auch an der Zahl der zu beanstandenden Proben. So ergab sich unter Bezug auf die untersuchten Lebensmittelproben im Jahr 2004 eine Beanstandungsquote von 12,2 Prozent. Dies bedeutet allerdings nicht, dass 12,2 Prozent aller untersuchter Proben „schlecht“ waren. Beanstandungsgründe können mikrobiologische Verunreinigungen sein, es können kennzeichnungsrelevante Gründe sein, es können auch hygienische Mängel oder andere Kriterien der Irreführung Gegenstand einer Beanstandung sein. Neben den Beanstandungsgründen, die sich vor allem aus mikrobiologischer Verunreinigung ergeben, sind es im Chemischen Untersuchungsamt der Stadt Hagen vor allem Beanstandungen im Hinblick auf Wertminderung und Irreführung. Gesundheitsrelevante Beanstandungen waren nicht zu verzeichnen.
Hierzu einige ausgewählte Beispiele:
- Bei Milchprodukten fehlte immer wieder die Kennzeichnung des verwendeten Farbstoffes.
- Hartkäse wurden unzulässigerweise mit Citronensäure beziehungsweise Schmelzkäse versetzt.
- Schnittkäsesorten in Fertigpackungen enthielten das nicht kenntlich gemachte Natamycin.
- Gelegentlich wurde auch festgestellt, dass Schafskäse in Wirklichkeit Kuhmilchkäse war.
- Die in Restaurants als Kräuterbutter angebotenen Produkte sind vielfach ohne Milchfett (also ohne Butter), sondern aus reinen Pflanzenfetten hergestellt.
- Döner-Spieße entsprachen nicht den Vorgaben der Leitsätze, die Kenntlichmachung der Tierarten, der Zusatzstoffe und weitere Zutaten fehlte sehr häufig.
- Wurstwaren hatten unter anderem einen zu hohen Wasseranteil, auch hier wurden kennzeichnungspflichtige Angaben nicht angebracht
- Kühlhinweise in Verbindung mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum waren bei einigen Konserven nicht vorhanden.
- Bei fast allen Proben „Deutscher Kaviar“ wurde die zulässige Menge an erlaubten Farbstoffen deutlich überschritten.
- Bei Olivenölen wird immer wieder festgestellt, dass die Ursprungsangabe (z. B. aus Italien) nicht der tatsächlichen Herkunft des Öles entspricht. In vielen Fällen wurden Olivenöle, die angeblich italienischer Herkunft sind, beanstandet, da sie analytisch anderen Herkunftsländern wie Spanien, Tunesien und Griechenland zugeordnet werden konnten.
- Nach wie vor sind Frittierfette wegen Verdorbenheit zu beanstanden.
- Auch bei Backwaren sind immer wiederkehrend die gleichen Beanstandungen festzustellen: gefärbte Backwaren ohne Farbkennzeichnung, Marzipan durch Persipan ersetzt, angeblich fettreduzierte Lebensmittel enthielten normale Fettgehalte.
- Paprikamark und eingelegte Oliven enthielten Konservierungsstoffe ohne die erforderliche Kennzeichnung, gleiches gilt für zahlreiche Obstprodukte.
- Aprikosen und Rosinen waren ohne Kenntlichmachung der Schwefelung im Handel, daneben wurden vielfach Konservendosen als Proben eingeliefert, die innen verrostet waren.
- Auch bei Säften und Erfrischungsgetränken gab es immer wieder Probleme im Hinblick auf die Mindesthaltbarkeitsangaben sowie durch Schimmelpilze und Bakterien verunreinigte offene (lose) Getränke.
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- Die Untersuchung von Honigen zeigte in vielen Fällen, dass die Honige nicht sortenrein waren
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- hausgemachte Marmeladen trugen keinerlei Kennzeichnung. Diese ist auch für Produkte erforderlich, die von Direktvermarktern (z. B. Hofläden) vertrieben werden; die Gruppe der Eigenvermarkter ist im ständigen Zuwachs begriffen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des Amtes ist die Untersuchung kosmetischer Mittel. Hier werden häufig Abgrenzungsprobleme zwischen kosmetischen Mitteln und Arzneimitteln bearbeitet.
- In vielen Fällen werden irreführende Werbungsaussagen beanstandet. Vielfach fehlte auch die werbend herausgestellte Wirkkomponente; so enthielten Kamillencremes keine nachweisbaren Kamillen-Inhaltsstoffe.
- Produkte, die als angeblich „allergiegetestet“ vertrieben werden, enthielten Komponenten, die durchaus allergische Eigenschaften besitzen.
- Nach wie vor werden noch Nagellacke mit hohen Toluolgehalten angetroffen, dies sogar in Produkten für Kinder.
- Der größte Teil der Beanstandungen resultiert aus fehlerhaften Angaben zu Bestandteilen der kosmetischen Produkte, zu den geforderten Mindesthaltbarkeitsangaben und zur Kennzeichnung.
Selbst wenn es sich bei den Beanstandungen vielfach „nur“ um Kennzeichnungsfehler handelt, so ist zu bedenken, dass der Verbraucher ein Anrecht auf eine korrekte Deklaration der Produkte hat. In sofern dienen diese Beanstandungen ohne Zweifel dem Verbraucherschutz.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des Amtes sind Untersuchungen auf Rückstände von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln.
Im Jahr 2004 wurden insgesamt 888 Proben auf Pestizidrückstände überprüft. Hierfür stehen vier verschiedene aber sehr umfangreiche Untersuchungsverfahren zur Verfügung, mit denen ca. 350 Pestizide erfasst und geprüft werden können. Unter den 888 untersuchten Proben waren immerhin 350 Proben, die nachweisbare Rückstände enthielten, davon 32 Proben mit Rückständen, die oberhalb der gesetzlichen Höchstmengen lagen.
Überschreitungen der Höchstmengen wurden insbesondere bei Frischobst und bei Frischgemüse festgestellt. Ohne nachweisbare Rückstände blieben die Getreide und Getreideerzeugnisse, Honige sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung. Entgegen den Vorjahren verlief das Berichtsjahr 2004 ohne Skandale und aufwändige Sonderaktionen.
Das Thema Acrylamid wird nach wie vor beachtet, entsprechende Proben werden regelmäßig entnommen und untersucht. Im Laufe der letzten zwei Jahre sind die nachgewiesenen Gehalte an Acrylamid in Lebensmitteln bedingt durch neue Technologien und andere Verfahren deutlich zurückgegangen.
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