Was tun mit Igeln im Herbst und Winter?
04.10.2007
Mit Beginn der kalten Jahreszeit bereiten sich wieder viele Tiere auf ihren Winterschlaf vor. Dazu gehört auch der Igel. Viele Menschen sorgen sich um ihn und lassen Igeln öfter in guter Absicht unnötige oder falsche Hilfe zuteil werden.
Wer Igeln helfen will, muss wissen, dass es sich um Wildtiere handelt. Sie leben in Laub und Mischwäldern und besiedeln im Bereich menschlicher Siedlungen auch gerne Feldgehölze, Parkanlagen, verwilderte und naturnahe Hausgärten.
Durch den Einsatz von Chemikalien und übertriebene Aufräumaktionen in unseren Hausgärten und Parks werden in der Stadt wichtige Lebensräume des Igels zerstört. Weitere Opfer fordert der Straßenverkehr. Igelschutz heißt vor allem: Lebensräume erhalten und schaffen! Auch in der Stadt gibt es viele Möglichkeiten zum Schutz der Igel. So sichern beispielsweise naturnahe Gärten, Parks und Schulhöfe dem Igel ideale Lebensmöglichkeiten. Denn hier bieten ihm Hecken, Reisig- oder Komposthaufen Unterschlupfmöglichkeiten, und in Laub und Fallobst findet er Insekten, seine Hauptnahrung. Gern vertilgt er auch Schnecken und reguliert so den Bestand.
Was Igelfreunde zum Beispiel tun können: Auf Pflanzenbehandlungsmittel, insbesondere Insektizide und Schneckenkorn völlig verzichten; Garteneinzäunungen für Igel durchlässig machen, dass heißt den Maschendraht entfernen beziehungsweise öffnen und Hecken oder Jägerzäune als Gartenbegrenzungen einsetzen;
Gärten im Herbst nicht überall „aufräumen", sondern als Deckung an einigen Stellen Stauden, Büsche, Reisig, Laub etc. übrig lassen. Sie entlasten so auch ihre „Mülltonne".
Weiter empfiehlt sich: Laub- und Reisighaufen als Unterschlupf anlegen; Laub- oder Reisighaufen nicht abbrennen oder achtlos in sie hinein stechen (auch schon im Interesse der Vogelwelt) nicht; Komposthaufen sollten für Igel zugänglich sein und nur vorsichtig umgesetzt werden; Kellerschächte abdecken, Schwimm- und Wasserbecken sowie Teiche mit steilen oder glatten Wänden igelsicher einzäunen bzw. schräg ins Wasser reichende Ausstiegsbretter anbringen; im Spätherbst täglich frisches Wasser und etwas Zusatznahrung (Hundesoftfutter, KEINE MILCH!) anbieten, damit Jungigel noch das nötige Mindestgewicht für den Winterschlaf erlangen können. Autofahrer sollten bei Dunkelheit "Igel-bewusst" fahren!
Jahr für Jahr kann man im Herbst beobachten, dass Tierfreunde Igel zur Überwinterung in ihr Haus holen. Es sollten jedoch berücksichtigt werden, dass der Igel nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Tierarten zählt. Igel dürfen deshalb grundsätzlich nicht eingesammelt und im Haus gehalten werden. Ausschließlich kranke, verletzte und überwinterungsunfähige Tiere (Igel mit weniger als 500 Gramm Ausgangsgewicht Anfang November) dürfen aufgenommen und gepflegt werden, bis sie im Frühjahr wieder ausgesetzt werden können. Dabei handelt es sich um eine ausgesprochen zeitaufwendige und schwierige Aufgabe, für die ein hohes Maß an Fachwissen erforderlich ist!
Und noch einen Aspekt sollte bedacht werden: Der Winter hat eine biologisch wichtige Auslesefunktion. Kranke, zu schwache und jahreszeitlich fehlorientierte Tiere überleben oft die kalte Jahreszeit nicht. Dieser Ausleseprozess trägt zur Gesunderhaltung der Population bei und dient der Arterhaltung.
Tierfreunde sollten also daran denken: Igel sind Wildtiere und sollten es auch bleiben, auch wenn sie manchmal förmlich dazu einladen, sie aufzunehmen! Das Aufnehmen der Tiere sollte daher grundsätzlich nur in Notfällen erfolgen.
Die Schaffung von Lebensräumen für Igel und deren Nahrungstiere in ihrem Umfeld, insbesondere im Garten und Hofbereich, hilft den Tieren am ehesten und auch dauerhaft.
Wer weitere Fragen zum Igelschutz haben, sollte sich an die örtlichen Naturschutzvereine oder an die Landschaftsbehörde der Stadt Hagen, Rathausstraße 11, Rufnummer 02331/207-0 (Zentrale), wenden.
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