Kyrill und seine Folgen
10.10.2007
Der Orkan Kyrill, der in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 über weite Teile Deutschlands hinwegstürmte, traf insbesondere Nordrhein-Westfalen mit voller Wucht. In vielen Teilen des Landes führte der Orkan mit Böen bis zu 225 km/h zu großen Sachschäden. Auch das Stadtgebiet Hagen wurde von der für diese Region größten Naturkatastrophe heimgesucht.
Neben dem städtischen Waldbesitz von 1750 Hektar wurden ebenfalls anteilig 5000 Hektar Privatwald geschädigt. Auf geschätzten 700 Hektar Waldfläche wurde der aufstockende Baumbestand vernichtet, davon etwa 130 Hektar Stadtwald und 570 Hektar Privatwald, auf denen etwa 220.000 m³/Efm (Erntefestmeter) geworfen oder gebrochen werden.
Für die Stadt Hagen bedeutet das ein Anfall von ca. 50.000 m³/Efm oder den 10fachen Jahresholzeinschlag. Hilfe für diese Region, das Holz dem Markt zuzuführen, wurde von dem vor der Haustür der Stadt Hagen ansässigen Papierhersteller StoraEnso zugesagt, der eine Millionen m³/Efm Holz aus den umliegenden Schadensgebieten übernehmen kann und will. Voraussetzung dafür ist jedoch die geeignete Lagermöglichkeit zur Nasskonservierung.
Die Aufarbeitung des Sturmholzes muss entzerrt werden. Begonnen wurde auf den Flächen, auf denen überwiegend Bruchholz angefallen ist und auf denen der Arbeitsfortschritt weniger zügig vonstatten geht. Hingegen werden geworfene Bestände, in denen Bäume mit den Wurzeln verbunden und somit noch mit Nährstoffen versorgt sind, zunächst in der Aufarbeitung zurückgestellt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt großflächig mit Holzerntesystemen zu bearbeiten.
Diese so genannte „Lebendkonservierung“ verhindert zunächst noch einen Befall von Borkenkäfern. Eine besondere Schwierigkeit im Forstamt Hagen stellen viele zusammengebrochene Fichtenbestände dar, unter denen bereits Buchen zur Umwandlung der Bestände mit hohen finanziellen Aufwand gepflanzt worden sind. Diese jungen Buchen gilt es, wenn eben möglich, zu retten. Das bedeutet allerdings einen aufwendigen Holzernteeinsatz. Mittlerweile konnten über 80 Prozent des Sturmholzes im Hagener Stadtwald aufgearbeitet werden. Das Forstamt der Stadt Hagen rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten bis Ende dieses Jahres.
Die unter Vertrag genommenen Firmen rücken mit ihren eigenen Holzeinschlags- und -rückeunternehmen an, um die Aufarbeitung zu bewältigen. Diese hochprofessionellen Unternehmen sind mit entsprechendem Gerät ausgestattet. Das bedeutet den Einsatz von Harvestern, Raupenbaggern, Seilkrananlagen, Zangenschlepper, Forwarder und Schälmaschinen.
Während Harvester, auch Vollerntemaschinen genannt, primär zur Aufarbeitung von Stammholzabschnitten eingesetzt werden (Trennen vom Wurzelteller, Entasten, Trennen nach Länge und Vermessung), eignen sich Bagger mit einem Aufarbeitungskopf (A – Kopf) nur zur Aufarbeitung (Entastung) on starkem Langholz.
Seilkrananlagen werden überwiegend an unbefahrbaren Steilhängen eingesetzt. Mit diesem System wird versucht, die bereits gepflanzten jungen Buchen unter Fichtenbeständen zur Umwandlung in Laubholzbestände zu retten. Seilzangenschlepper dienen dem Rücken von Langholz, während Forwarder zum Transport von Abschnitten aus den Flächen an die Lkw-befahrbaren Waldwege eingesetzt werden. Schälmaschinen kommen dort zum Einsatz, wo Holz vor Ort entrindet wird und zur Trockenlagerung im Wald verbleibt.
Im Hagener Stadtwald sind zurzeit vier Harvester, ein Raupenharvester, ein Bagger, vier Forwarder, vier Forstspezialschlepper, eine Seilkrananlage und 30 Forstwirte im Einsatz. Die Aufarbeitung von Sturmholz fordert eine besondere Qualität an die Arbeitsbandbreite im Wald. Sie ist besonders durch die unterschiedlich in und unter Spannung liegenden Hölzer gefährlich. Arbeitsunterweisungen und wiederholte Belehrungen im Bereich der Unfallverhütungsvorschriften durch die Forstwirtschaftsmeister des Forstamtes sind ständige Begleiter bei der Bewältigung der Katastrophe. Dennoch blieb auch ein Forstwirt des Forstamtes Hagen von einem Unfall nicht verschont. Der Unfall forderte eine Auszeit von vier Wochen. Landesweit müssen mehr als 500 Unfälle beklagt werden, davon vier Todesfälle.
Durch das Signal von StoraEnso, aus dem Schadensumfeld um Hagen etwa eine Million m³/Efm Sturmholz akquirieren zu wollen, entstand auf dem alten Bahnhofsgelände in Hengstey ein Nasslager mit einer Kapazität von 100.000 m³/Efm Sturmholz. Täglich fahren Speditionen aus acht Nationen mit 20 bis 40 Holztransportern 500 – 1000 m³/Efm in das Lager ein.
Die Firma StoraEnso betreibt dieses Nasslager als Partner der Waldbesitzer. Aus der Erfahrung heraus muss mit „Nachwürfen“ durch Herbst-, Winter- und Frühjahrsstürme, sowie mit Borkenkäferbefall gerechnet werden. Das bedeutet auch weiterhin vermehrter Holzanfall. Erst danach kann ein Konzept zur Wiederaufforstung der Schadensflächen und zur Wiederherstellung der Infrastruktur erstellt werden.
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