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Fünf Jahre Gewaltschutzgesetz

02.12.2007

Am 1. Januar 2002 trat bundesweit das Gewaltschutzgesetz in Kraft. In ganz Deutschland wurden Kampagnen gestartet, Fachleute geschult und „Runde Tische“ eingerichtet. In Hagen hatte sich der „Runde Tisch gegen Häusliche Gewalt“ schon Ende 2001 konstituiert.

Polizei, Jugendamt, Beratungsstellen, Frauenhaus, Gleichstellungsstelle und Staatsanwaltschaft ziehen seither an einem Strang, um die Situation der Gewaltopfer zu verbessern.

Durch das Gesetz erhalten misshandelte Frauen und Kinder die Möglichkeit, in ihrer Wohnung zu bleiben ohne zunächst weiteren Angriffen ausgeliefert zu sein. Der Grundsatz „Der Täter muss gehen, das Opfer kann bleiben“ soll insbesondere die Position der Frauen stärken. Die Wegweisung dient ihnen in erster Linie dazu, ihre persönliche Situation und die Möglichkeit eines zivilrechtlichen Verfahrens zu überdenken und entsprechend Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Intention des Gesetzes ist, durch die räumliche Distanz die Gewaltspirale in der Beziehung zu durchbrechen und Anstöße und Möglichkeiten anderer Konfliktbewältigung zu finden. Dies ist häufig ein langer Weg für die Betroffenen. Somit erhebt das Gesetz auch nicht den Anspruch, dass mit ihm der Gewalt ab sofort ein dauerhaftes Ende bereitet werden kann. Es ist vielmehr als ein Baustein unter vielen zu verstehen.

Durch die staatlichen Sanktionen soll zudem das öffentliche Bewusstsein dahingehend geschärft werden, dass häusliche Gewalt nicht als „Kavaliersdelikt“ oder „Familienstreitigkeit“ bagatellisiert wird. Es ist ein Signal, dass die Gesellschaft den Einsatz von Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung unter Privatleuten nicht duldet und verdeutlicht, dass die Grenzen der Verletzung von absoluten Rechtsgütern auch im privaten Bereich gelten.

Die Erfahrung der vergangenen fünf Jahre zeigt, dass das Thema „Häusliche Gewalt“ gesellschaftsfähig geworden ist: in den Medien, Institutionen, Schulen, in der Kunst und in der Politik. Endlich wird die gesellschaftliche Dimension dieses Problems wahrgenommen. Die Wegweisung gehört mittlerweile zum polizeilichen Alltag.

Durchschnittlich sieben Mal im Monat muss die Polizei Partner, Ehemänner, Väter, aus ihrer Wohnung verweisen, weil sie gewalttätig geworden sind und eine weitere Bedrohung für ihre Frauen und Kinder darstellen. Die meisten der Frauen lassen sich in einer Beratungsstelle beraten, wie es in ihrem Leben weitergehen kann. Auch das ist ein Erfolg des Gewaltschutzgesetzes.

Zehn Einrichtungen mit jeweils unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten sind am Runden Tisch in Hagen vertreten. Zunächst war es für alle Mitglieder notwendig, gemeinsame Ziele zu erarbeiten und die Vernetzungsstruktur herauszuarbeiten. Das Ergebnis ist ein Handlungskonzept, welches gewährleistet, das alle Opfer von häuslicher Gewalt zeitnah ein entsprechendes Angebot an Information, Schutz und Beratung erhalten.

Die Frauenberatungsstelle bietet Erstgespräche als Krisenintervention und weitere Beratung an, die Kinder werden bei Bedarf vom Jugendamt versorgt. Im zweiten Schritt wurden Schwerpunkte benannt und entsprechende Aktionen geplant. Die Fachtagungen, Vorträge, Fortbildungen und Beratungsangebote waren durchweg gut besucht.

Dies wäre wohl weniger erfolgreich ohne die vielfältige Öffentlichkeitsarbeit: Ein Infoblatt in acht Sprachen, ein Faltblatt „Hinsehen, helfen, Hilfe holen“, das die Nachbarschaft auffordert, sich einzumischen, und die Brötchentütenaktion mit Hagener Bäckereien „Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte“. Hinzu kommt die regelmäßige Berichterstattung der Polizei in der Presse über Wegweisungen. Vor kurzem wurde zudem unter www.kidsinfo-gewalt.de eine Internetseite für Kinder frei geschaltet, die in einer Familie mit häuslicher Gewalt leben und Hilfe brauchen.

Hier sind auch die Hagener Adressen zu finden, die Kindern eine Beratung anbieten. Die Mitglieder des Runden Tisches sind sich darüber einig, dass das die Zusammenarbeit sich bewährt hat und das Gewaltschutzgesetz positiv wirkt. Die Sensibilisierung der Gesellschaft hat zugenommen, immer mehr Menschen lehnen Gewaltanwendung als Mittel der Machtausübung, Kontrolle und Erniedrigung ab. Deshalb ist die Gewalt nicht weniger geworden, aber immer mehr Frauen trauen sich die Polizei zu rufen und sich Hilfe zu holen. Sie erkennen zunehmend, dass sie gewalttätige Übergriffe ihres Partners nicht mehr hinnehmen müssen.

Im kommenden Jahr wird es am 22.Februar einen Workshop-Tag geben, der sich an die Menschen richtet, die direkt mit und für Kinder arbeiten. Es wird darum gehen, den pädagogischen Fachkräften mehr Kompetenz und Handlungssicherheit zu vermitteln bei dem Verdacht auf Häusliche Gewalt. Und im September 2008 wird es dann in Hagen vielfältige Aktionen rund um das Thema „Häusliche Gewalt“ geben, mit einer breiten Kooperation von Organisationen.



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