Kinderstuben der Tierwelt schützen

20.05.2008

Aufgrund der sich mehrenden Beschwerden beim Umweltamt der Stadt Hagen und bei den Naturschutzverbänden über brütende Tiere in Hausnähe oder am Haus weist das Umweltamt darauf hin, dass wildlebende Tiere Bestandteil unserer Umwelt sind.


Da die natürliche Landschaft größtenteils durch den Menschen genutzt wird, sind Tiere insbesondere dann zu schonen, wenn sie Nachkommen erzeugen und großziehen. Im städtischen Umfeld benötigen die Tiere unsere Duldung, Wertschätzung und Schutz. So wie wir in der kalten Jahreszeit Futterstellen einrichten, so benötigen die Tiere im Frühjahr auch unsere Unterstützung durch gewährte Ruhe und Schutz.
Entenfamilie, Bild: Michael Kaub


Zurzeit ziehen sich beispielsweise viele Stockenten in bauliche Ruhezonen der Stadt zurück, weil vermutlich im natürlichen Umfeld der Gewässer zu viel Unruhe herrscht. Als Ersatzbrutplatz dient dann beispielsweise ein Balkonkasten, ein Innenhof oder ein Garagendach. Da Stockenten biologisch zu den Nestflüchtern zählen, versucht die Tiermutter nach dem Schlupf der Küken aus dem Ei sofort ein nahegelegenes Gewässer zu erreichen. Dort werden die Jungen gefüttert, bis sie flügge geworden sind.

Die Tiermütter wissen nach allen bisher von Fachleuten beobachteten Ereignissen am Besten, wie sie die Jungen zu ihrem Lebensraum Gewässer bringen. Die Elterntiere sind durchaus in der Lage, sich und die Brut selbst mit Nahrung zu versorgen. Nach den im Umweltamt vorliegenden Erfahrungen schaffen Elterntiere es sogar, die Jungen aus Innenhöfen in die natürliche Umgebung zu bringen. Auch große Höhenlagen sind kein Problem. Von der Tiermutter angespornt, springen die Jungtiere von großen Höhen herab, landen unten gut geschützt durch ihr Daunenkleid, um dann der Mutter nachzulaufen. Bisweilen kann man Zeuge sein, wie selbst an stark befahrenen Straßen eine Entenfamilie den Verkehr zum Erliegen bringt, weil sie über die Straße laufen wollen oder müssen.

Gutmeinende Bürger greifen jedoch durch Unwissenheit in das Brutgeschehen ein, in dem sie die Tiere oder die Brut einsammeln und bei der Behörde oder an anderen Stellen abgeben. Die so zwangsläufig getrennte Familie hat wenige Chancen auf ein Überleben oder Integration in die natürliche Umwelt. Zahlreiche Bürgermeldungen oder Anfrage weisen auf das Problemfeld hin. Es wird vom Umweltamt daher dringend auf Folgendes hingewiesen.

Unabhängig von den Bestimmungen des Jagdrechts und des Tierschutzrechts ist es nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Da es sich um eine Europäische Vogelart handelt, sind auch die Regelungen der Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL, Richtlinie 79/409/EWG) unmittelbar anzuwenden.

Nach Art. 5 b der VS-RL ist das Zerstören oder Beschädigen von Nestern und Eiern und das Entfernen von Nestern verboten. Wegen der Einordnung von Stockenten als jagdbares Wild ins Jagdrecht, ist in erster Linie nur dem Jagdberechtigten die Aneignung der Tiere oder Entwicklungsformen erlaubt. Ein Verstoß kann dann als Wilderei betrachtet und geahndet werden.

Das grundsätzliche Einsammeln von Jungtieren, egal welcher Art, ist ein unerlaubter Eingriff in die Natur und ein Problem in erster Linie für das Tier und die Tiermütter selber (mache Jungtiere werden nur kurzfristig von der Mutter verlassen, weil die Mutter sich ernähren will oder einen Fressfeind ablenken will), aber auch weil die Übernahme und anschließende Auswilderung der Jungtiere besondere Sachkenntnisse und Fachpersonal voraussetzt. Dies ist in der Vielzahl der abgegebenen Tiere nicht zu leisten.

Bürger sollten sich zwar um offensichtlich verletzte Tiere kümmern, im Zweifelsfall aber erst folgende Stellen anrufen: Untere Jagdbehörde, Untere Tierschutzbehörde, Untere Landschaftsbehörde oder bei toten oder kranken Tieren auch das Veterinäramt (02331/207-3523, das „Grüne Telefon“ 02331/181888).

Es berät auch das Umweltzentrum (Biologische Station Hagen), Boeler Straße 39, Telefon 02331/84888 mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Hagen Naturschutzbund Deutschland, Stadtverband Hagen.

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Dienstag, 22.05.2012 - 13:14  - 3847 Seitenaufrufe