Kranke Eichen müssen gefällt werden
16.01.2009
Mit Bedauern muss das Umweltamt der Stadt Hagen die notwendige Fällung der markanten Eiche am Berchumer Kirchplatz sowie einer Traubeneiche an der Straße „Hasselbach“ bekanntgeben.
Bei der Stieleiche am Berchumer Kirchplatz handelt es sich um den bekanntermaßen größten Baum auf Hagener Stadtgebiet mit einem Stammumfang von 5,60 Meter, der besonders durch Gestalt, Alter und Standort ortsbildprägend und kulturgeschichtlich bedeutsam ist.
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| Eiche in Berchum |
Im Laufe der Jahre hat aber besonders der sich im Baum ausbreitende Pilz „Tropfender Schillerporling“, der im Bereich des Stammfußes zu starken Holzzersetzungen führte, zu einer irreparablen Schädigung geführt. Inzwischen ist die Vitalität so stark vermindert, dass die letzte durchgeführte Baumkontrolle zu dem Ergebnis kam, dass der Baum aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden muss. Die Fällmaßnahme wird voraussichtlich Ende der vierten Kalenderwoche 2009 durchgeführt werden.
Aufgrund des großen Stammumfanges wird geschätzt, dass die Berchumer Eiche etwa im Jahr 1600 als Hofeiche des damaligen „Raschen-Hofes“ gepflanzt wurde. Allerdings gibt es nicht wenige Stimmen, die das Alter des Baumes auf über 700 Jahre schätzen. Aufgrund fehlender Vergleichbarkeit und fehlenden Aufzeichnungen ist eine exakte Altersbestimmung sehr schwierig.
Der Raschen-Hof ist nicht mehr existent, doch steht die Eiche auch heute noch im Privatbesitz von Brigitte Bärthel-Wolf als direkte Nachfahrin der Familie Rasche. In der Zeit um 1600 stand in der Umgebung neben den landwirtschaftlichen Höfen lediglich das „Haus Berchum“, welches heute noch als Ruine zu sehen ist.
Selbst die benachbarte Berchumer Kirche in ihrer jetzigen Form ist jüngeren Datums, weiß Wilfried Mann aus Berchum zu berichten. Aus seiner Sammlung stammt auch die alte Fotografie aus den 1950er Jahren mit dem alten Fachwerkhaus, welches als ehemaliges Arbeiterhaus auf dem Raschen-Hof erbaut wurde.
Viel heimische Geschichte hat der Baum miterlebt, die Einführung der Reformation im hiesigen Raum, den 30-jährigen Krieg, die Napoleonische Zeit, die Revolutionsjahre 1848/49, die beiden Weltkriege und vieles mehr. Und war neben der Kirche stehend immer stummer Begleiter von Trauerzügen und Hochzeitsfesten. Somit gehörte die Eiche einfach zum Dorfgeschehen dazu. Bereits seit 1974 wurde der Baum durch die Naturdenkmalverordnung des damaligen Kreises Iserlohn als geschützt ausgewiesen.
Ebenfalls muss in der vierten Kalenderwoche 2009 eine Traubeneiche an der Straße „Hasselbach“ im Ortsteil Henkhausen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden, da auch hier der Pilz zu einer starken Instabilität führte.
Dieser Baum war seit 1994 durch den Landschaftsplan Hagen wegen seiner Schönheit und Seltenheit in Größe und Erscheinungsbild als Naturdenkmal „1.3.2.11 – 1 Traubeneiche“ unter Schutz gestellt worden.
Sie steht gegenüber der ehemaligen Firma Höynck und ist erst vor einigen Jahren durch einen Entlastungsschnitt saniert worden. Leider macht der Pilzbefall nun eine Fällung unausweichlich.
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