LGS-Hemer: Interview mit Stephan Birk über den Jübergturm

15.08.2009

Der Jübergturm – einer der vielen Attraktionen der Landesgartenschau 2010 in Hemer und Geschenk der Stiftung der Stadtsparkasse Hemer ist in aller Munde. Der Wettbewerbssieger, ein Entwurf von Schweizer Architekten, hatte bei einer Abstimmung in der Sparkasse vor knapp einem Jahr mit sieben Stimmen einen hauchdünnen Vorsprung.


Dieser sprengt aber den Kostenrahmen, so dass jetzt der zweitplatzierte Entwurf der Stuttgarter Architekten Birk und Heilmeyer realisiert wird. Wir sprachen mit dem Architekten Stephan Birk (34) über seine Motivation, die Realisierung und Plagiatvorwürfe.

Montage-Ansicht des Jübergturms für die LGS Hemer
der Jübergturm
Wie können Sie garantieren, dass die Kosten für diesen Turm innerhalb des vorgegebenen Rahmens bleiben?
Stephan Birk: „Wir haben schon im Wettbewerbsverfahren im vergangenen Jahr eine seriöse Kostenschätzung vorgelegt. Diese war übrigens auch in der Auslobung verlangt. Um die Baukosten von 400.000 Euro nicht zu übersteigen, haben wir frühzeitig zusätzlich Erfahrungswerte von Firmen eingeholt. Wir wissen um die Wichtigkeit dieses Themas und sind aufgrund der Vorgeschichte sensibilisiert. Und wir sind sicher, dass wir die Kostenvorgaben halten können, denn es gibt Möglichkeiten schon während der Planungsphase einzuwirken. Wir haben mehrere Stellschrauben, um die Kosten anzupassen.“

Wann wird der Baubeginn sein - und können Sie sicher sagen, dass der Turm bis zum Beginn der Landesgartenschau am 17. April 2010 stehen wird?
Birk: „Wir wollen entsprechend dem aufgestellten Zeitplan noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen. Sicher ist, dass wir vor dem ersten Frost mit den Fundamentierungen beginnen und diese dann bis Weihnachten abschließen werden. Es handelt sich um eine Konstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad – das heißt: Auch wenn auf der Baustelle noch nicht viel zu sehen ist, werden die ausführenden Firmen bereits intensiv arbeiten. Gründungsarbeiten und die vorbereitenden Holz- und Stahlarbeiten finden parallel statt. Das Aufstellen des Turms wird bis zum 1. April 2010 abgeschlossen sein. Das ist möglich, weil die vorgefertigten Holz- und Stahlelemente vor Ort nur noch zusammengefügt werden. Unser Grundsatz ist, die baulichen Maßnahmen vor Ort so gering wie möglich zu halten, weil die Witterungsbedingungen im Winter für das Bauen ungünstig sind.“

Der Höhenunterschied, ein felsiger Untergrund: Haben Sie schon mal auf ähnlichem Gelände gebaut? Worin besteht die Herausforderung für Sie?
Birk: „Wir haben noch nicht auf ähnlichem Untergrund gebaut. Aber der Untergrund, vornehmlich Fels, ist unheimlich leistungs- und tragfähig. Der Turm wird stehen, da können Sie sicher sein.“

Haben Sie schon mal ein ähnliches Projekt realisiert? Was hat Sie bei Ihrem Entwurf „inspiriert“?
Birk: „Wir haben noch keinen Aussichtsturm realisiert, aber genau das war auch der große Anreiz. Wir haben eine besondere Motivation, eine so tolle Aufgabe anzugehen. Wir arbeiten auch bei diesem Projekt sehr eng mit den Tragwerksplanern Knippers Helbig zusammen, die auf solche Projekte spezialisiert sind. Einerseits haben uns die dramatische Schneise im Wald und der faszinierende Ausblick angeregt. Andererseits haben wir uns früh in der Entwurfsphase mit leistungsfähigen Tragwerken auseinandergesetzt. So sind wir auf die kühnen Entwürfe des russischen Ingenieurs Wladimir Grigorjewitsch Schuchow (* siehe Schlagwort) gestoßen, der vor 110 Jahren zahlreiche Wassertürme und Strommasten nach dem Prinzip hyperbolischer Gitterschalen gebaut hat. Wir nehmen dieses Prinzip auf, optimieren es weiter und setzen es für den Jübergturm in Holz um, während die rund 200 Schuchow-Türme aus Stahl gebaut worden sind.“

Wie stehen Sie Plagiatvorwürfen gegenüber? In Warstein und Baden- Württemberg sollen optisch ähnliche Türme gebaut worden sein.
Birk: „Es gibt weltweit zahlreiche Türme nach dem Schuschow’schen Prinzip, der Turm in Warstein gehört auch zu dieser Familie. Letztlich geht es immer darum, einer bewährten Typologie etwas Neues hinzuzufügen, etwas Etabliertes aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Das ist der Uranspruch eines Architekten und Ingenieurs. Diesem Anspruch werden wir beim Jübergturm gerecht. Man könnte auch eine Gegenfrage stellen: Darf man nie mehr Hochhäuser aus Stahl und Glas bauen, weil es weltweit schon so viele gibt?“

Stichwort Nachhaltigkeit: Die Konstruktion des Jübergturms besteht aus Holz und Stahl. Wird Holz nicht mit der Zeit morsch?
Birk: „Holz ist ein hochleistungsfähiger Baustoff und der älteste, den wir haben. Bei dem filigranen Turm wird Brettschichtholz zum Einsatz kommen. Das Material wird verwittern und seine Farbe im Laufe der Jahre von goldbraun nach silbergaru ändern. Dies ist auch gut so.

Wie gehen Sie mit Spitznamen wie Weißbierglas, Schirmständer oder Fackel für Ihren Turmentwurf um?
Birk: „Entspannt.“
Entwurf des Jübergturms für die Landesgartenschau Hemer
Die Architekten Stephan Birk und Liza Heilmeyer betrachteten ihren Entwurf des Jübergturms. (Foto: Messe Essen)


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Landesgartenschau Hemer

Logo Landesgartenschau Hemer Ostenschlahstraße 60
58675 Hemer
Tel: 02372/5506-0

Tickets für Konzerte: www.eventim.de
Die Landesgartenschau öffnet bis zum 24. Oktober 2010 täglich um 9.30 Uhr. Bis 18.30 Uhr ist Einlass, Dauerkarten-Besitzer können das Gelände bis Einbruch der Dunkelheit betreten, dann schließt der Park seine Tore. Bei Sonderveranstaltungen ist die Kasse bis zum Beginn des Events geöffnet. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass Hunde auf dem LGS-Gelände nicht zugelassen sind.


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