Jugendamt sucht dringend Pflegeeltern
15.09.2009
Die Zahl der Hagener Kinder, die in Pflegefamilien leben, hat sich seit dem Jahr 2004 von 120 auf über 160 Kinder erhöht, im Jahr 2008 erreichten das Jugendamt Hagen bereits über 300 Gefährdungsmeldungen von Kindern und Jugendlichen. So sind seit über einem Jahr die neun Bereitschaftspflegefamilien des Jugendamtes fast durchgehend belegt.
In diesem Zusammenhang sucht das Jugendamt der Stadt Hagen dringend Pflegeeltern. Wer Spaß und Freude am Umgang mit Kindern hat und sich engagieren möchte, ist beim Fachdienst für Pflegekinder der Stadt Hagen herzlich willkommen. Familien, die ein Pflegekind in ihrem Haushalt aufnehmen, erhalten ein monatliches Pflegegeld.
Damit wird der materielle Aufwand zur Versorgung des Kindes abgegolten und ein kleiner Beitrag zum Erziehungsaufwand geleistet. „Wer allerdings nur einen Nebenverdienst will, kann sich das Geld anderswo leichter verdienen“ sagt Manfred Steinhoff, Leiter des Fachdienstes für Pflegekinder. „Das Zusammenleben mit zum Teil traumatisierten Kindern darf nicht unterschätzt werden.“ Wer sich für diese Aufgabe interessiert, oder mehr über das Anforderungsprofil von Pflegeeltern erfahren möchte, ist am Montag, 28. September 2009, um 19 Uhr zu einer kostenlosen Veranstaltung in die VHS Hagen herzlich eingeladen. In der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, referieren Carola Winner und Manfred Steinhoff zu „Anforderungen und Erwartungen an Pflegeeltern“.
Auch wenn sich nicht in jedem Fall das Gefährdungspotential so gravierend herausstellt, dass das Kind oder der Jugendliche Schutz und Pflege außerhalb des Elternhauses benötigt, so ist doch deutlich: Eltern geraten in ihrer Rolle als Erzieher, Versorger und Beschützer zunehmend an ihre Grenzen oder sind überfordert. Besonders um Kleinkinder vor fortgesetzter Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch zu bewahren, vermittelt das Jugendamt die gefährdeten Kinder in Pflegefamilien.
„Kleine Kinder benötigen für eine gesunde Entwicklung eine beständige, allzeit verfügbare, feinfühlige und belastbare Bezugsperson“ sagt Manfred Steinhoff. Kleine Kinder sind in den Regelgruppen der Heime mit Erzieherinnen im Schichtdienst und Gruppenstärken von ist zu zehn Kindern überfordert. Kinder in Pflegefamilien jedoch genießen die individuelle Zuwendung und Aufmerksamkeit der Familie. Leider konnten im laufenden Jahr nicht alle Kleinkinder eine Aufnahme in Pflegefamilien finden. Ob die Aufnahme in einer Pflegefamilie nur für einige Tage, Wochen oder aber ein langfristiger Verbleib des Kindes in einer Pflegefamilie erforderlich ist, klärt sich in der Bereitschaftspflege.
Dort werden Kinder aus akuten Notsituationen aufgenommen und verbleiben solange, bis geklärt ist, ob eine Rückkehr in den elterlichen Haushalt oder zu anderen Bezugspersonen möglich ist. Die Bereitschaftspflegestellen kümmern sich intensiv um die Versorgung, Betreuung und Förderung des Kindes. Sie sichern die medizinische und therapeutische Förderung des Kindes in enger Abstimmung mit dem begleitenden Fachdienst. Soweit es dem Wohl des Kindes entspricht, wird auch der Kontakt zu den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen aufrecht erhalten.
Zeigt sich in der Bereitschaftspflege, dass eine Rückkehr in den Haushalt nicht möglich ist, sucht das Jugendamt Pflegeeltern, die bereit sind, ein Kind auf Dauer in ihrem Haushalt aufzunehmen und zu fördern. Hier ist es dann wichtig, die richtige Familie für ein Kind zu finden. Die familiäre Konstellation, die persönlichen Ressourcen und die Beziehungen zueinander sollen schließlich auf lange Zeit tragfähig und förderlich für die Entwicklung des Kindes sein.
Infos zur Anmeldung erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder beim Fachdienst für Pflegekinder unter 02331/207-3674 oder -5545.
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