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Bei der Fassadensanierung auf Mehlschwalben achten

21.06.2011

Seit der Antike gilt die Schwalbe als Glückssymbol: Wo sie ihr Nest baut, bringt sie den Bewohnern des Hauses Glück und Frieden. Wenn im Rahmen einer energieeffizienten Sanierung zum Beispiel die Außenwände von Gebäuden gedämmt werden, ist dies ohne Zweifel eine sehr sinnvolle und begrüßenswerte Maßnahme des Klimaschutzes.

Das Umweltamt der Stadt Hagen weist darauf hin, dass auch hier auf die Bestimmungen des gesetzlichen Artenschutzes geachtet werden muss. So hat zum Beispiel neben anderen Tieren die Mehlschwalbe als einstiger Felsenbrüter und Kulturfolger die Hauswand als Lebensraum für sich entdeckt. Sie baut ihr Nest am Gemäuer unter den Dachvorsprüngen hauptsächlich aus Lehm, den sie sich aus Pfützen holt. In mühevoller Kleinarbeit wird dabei das typische halbkugelförmige Nest aus bis zu 1.500 mit Speichel vermischten Lehmkügelchen aufgebaut.

Wer den Mehlschwalben in seinem Umkreis etwas Gutes tun möchte, hat hier viele Möglichkeiten. Besondere Aktionen am und im Haus für die Rauch- und Mehlschwalbe werden im Rahmen der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ vom Naturschutzbund (NABU) belohnt. Wer in Nordrhein-Westfalen Schwalben an seinem Gebäude hat und das Brutgeschäft vielleicht sogar durch das Aufhängen von Nisthilfen und die Anlage einer Lehmpfütze fördert, kann die Bewerbung an den NABU Stadtverband Hagen e.V. richten. Ansprechpartner in Sachen Mehlschwalben in Hagen ist die Familie Ritz unter Telefon 02304-61385.

Grundsätzlich wirken sich eine naturnahe Gartenbepflanzung und die Nähe zu extensiv bewirtschafteten, insektenreichen Grünflächen sowie Gewässern als Jagdgebiet positiv aus. Nisthilfen können auch selber gebastelt werden, wobei sich auch das Internet hier als eine erfolgreiche Fundgrube für Bauanleitungen darstellt. Eine Lehmpfütze mit etwas Beimengung von Stroh oder Gras kann im Garten oder auf dem Garagendach künstlich wiederhergestellt werden. Optimal ist eine immer feucht gehaltene Pfütze mit einem Durchmesser von einem Meter.

Gelegentlich werden auch seitens der Hausbewohner oder -eigentümer die Verunreinigungen der Fassade mit Kot als störend empfunden. Hier hilft das Anbringen eines ca. 25 cm breiten Kotbrettes, das circa ein Meter unter den Nestern angebracht wird. Da eine Neuansiedlung von Mehlschwalben eher problematisch ist, gilt es umso mehr, den vorhandenen Bestand langfristig zu erhalten und zu optimieren. Für weitere Fragen stehen die Mitarbeiter der unteren Landschaftsbehörde als Ansprechpartner zur Verfügung.

Mehlschwalben verbringen nur einen Teil ihres Lebens in unseren heimischen Gefilden. Sie kehren ab April aus ihrem Winterlebensraum südlich der Sahara zurück und kündigen uns den Frühling an. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, dieses bekannte Sprichwort des griechischen Dichters Äsop (um 600 vor Christus) warnt allerdings davor, aus bestimmten Anzeichen keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Dadurch, dass Schwalben häufig in Sprichwörtern und Bauernregeln vorkommen und auch als Glückssymbol bedeutend sind, zeigt es sich doch, wie eng wir Menschen mit diesen Vögeln verbunden sind. Der Rückflug geschieht ab Mitte September. Es ist gut erkennbar, wie sie sich vor Zugbeginn, oft zusammen mit Rauchschwalben, auf Leitungen sammeln.

Meist finden zwei Bruten statt, bei denen je 4-5 Eier ausgebrütet werden. Die erste Brut legt das Weibchen ab etwa Mitte Mai. Nach circa 16 Tagen schlüpfen die Jungvögel und verlassen dann nach circa 22 Tagen erstmals ihr Nest. Eine weitere Brut erfolgt meist ab Mitte Juli.

Das Gefieder ist auf der Oberseite blauschwarz und auf der Unterseite weiß. Auffallend ist der als „Bürzel“ bezeichnete weiße Querstreifen am Schwanzansatz auf der Oberseite. Diese reinweiße bis mehlweiße Farbe auf der Unterseite und des Bürzels verdankt die Mehlschwalbe ihren Namen. Von den Rauchschwalben, die im Gebäude brüten, lassen sich die Mehlschwalben gut durch ihren nur kurz gegabelten Schwanz unterscheiden. Die Nahrung besteht zum Beispiel aus Mücken, Schnaken und Fliegen und ist daher auch bei der Regulierung von uns Menschen als lästig empfundenen Insekten behilflich. Die Nahrung wird im Flug erbeutet. Sie sind wendige Flieger und können Geschwindigkeiten bis über 70 km/h bei einer Verfolgung erreichen. Vergleichbar mit den Mauerseglern jagen, trinken und baden sie im Flug, lediglich zur Aufnahme von Nistmaterial halten sie sich am Boden auf.

Mehlschwalben sind ausgesprochene Teamworker, eine ist für die andere da. Sie jagen zusammen und sammeln auch gemeinsam Material für den Nestbau. Selbst beim Ausfliegen der Jungen sowie bei der Abwehr von Feinden halten sie als Kolonie zusammen. Vögel ohne eigene Brut helfen anderen Paaren bei der Aufzucht der Nestlinge, auch helfen oft Jungvögel der ersten Brut bei der Aufzucht des zweiten Geleges.

Gesetzlicher Schutz
Mehlschwalben stehen als besonders geschützte Vögel unter dem gesetzlichen Schutz des § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Hiernach ist es verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Weiterhin sind auch ihre Niststätten geschützt – und zwar ganzjährig, da es sich hierbei um dauerhafte Lebensstätten handelt. Mehlschwalben sind sehr ortstreue Tiere. Die alten Nester werden immer wieder benutzt und ausgebessert. Daher ist es absolut erforderlich, vor einer geplanten Sanierungsmaßnahme oder einem Neuanstrich der Fassaden auf Nester zu achten. Sofern dort welche vorhanden sind, ist im Vorfeld der Sanierung unbedingt die untere Landschaftsbehörde des Umweltamtes zu beteiligen. Die Abnahme von Mehlschwalbennestern, auch außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit, bedarf einer Ausnahmegenehmigung und kann ohne Genehmigung eine Ordnungswidrigkeit und unter bestimmten Umständen sogar eine Straftat darstellen. Nach Beendigung der Sanierungsmaßnahmen können dort am selbigen Standort künstliche Nisthilfen angebracht werden. Da Mehlschwalben Koloniebrüter sind, empfiehlt sich das Aufhängen von mindestens 3 bis 5 Nestern.

Allgemein ist leider auch bei den Mehlschwalben ein Bestandsrückgang festzustellen. Neben sich negativ entwickelnder Lebensbedingungen in den südlichen Lebensräumen wirkt sich zunehmend auch unsere städtische Lebensweise nachteilig auf die Mehlschwalbe aus. Es fehlt an Nahrung und Baumaterial. Die früher überall übliche Lehmpfütze ist häufig einer versiegelten Fläche gewichen.



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