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Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen
04.11.2004 450 Millionen Jahre Geschichte: Neues Museum in altem Schloss. Im idyllisch gelegenen Wasserschloss Werdringen, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht, eröffnet am Sonntag, 7. November 2004, um 15 Uhr, der Hagener Oberbürgermeister Peter Demnitz das neue Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen.Den Festvortrag über Hagener Prachtfunde im europäischen Kontext hält der international renommierte Archäologe Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Anschließend sind alle Interessierten eingeladen, bei freiem Eintritt das Museum und die spannend gestaltete Dauerausstellung mit ihren Funden aus über 450 Millionen Jahre Natur- und Menschheitsgeschichte zu erkunden und zu erleben. In dem modern eingerichteten Museum im Wasserschloss Werdringen präsentiert die Stadt Hagen ihre reichhaltige geologisch-paläontologische sowie ur- und frühgeschichtliche Sammlung. Ergänzt durch bedeutende Leihgaben von Sammlern und aus anderen Museen wird ein eindrucksvolles Bild längst vergangener Zeiten gezeichnet. Gezeigt werden Fundobjekte, die von den ältesten, über 450 Millionen Jahre alten Fossilien Westfalens bis hin zu Ausgrabungsfunden aus dem Mittelalter reichen. Besonderes Highlight sind die lebensnahen Nachbildungen eines Dinosauriers aus der Kreidezeit und eiszeitlicher Tiere, darunter ein riesiges Mammut. Zu sehen sind ebenfalls einige menschliche Überreste, die im Frühjahr 2004 in einer Höhle bei Hagen von Höhlenforschern des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. Ennepetal entdeckt wurden. Aufgrund einer Untersuchung von Experten der Universität Kiel konnte bereits einer der gefundenen Schädel datiert werden: Er ist rund 10.700 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten Funden dieser Art in Nordrhein-Westfalen mit einer Bedeutung über Deutschland hinaus. Das Museum im Wasserschloss Werdringen bietet Familien und Lernenden jeden Alters spannende Einblicke sowie zahlreiche Möglichkeiten für unterhaltsames Lernen. Ein differenziertes museumspädagogisches Angebot von der Erlebnisführung Steinzeit bis zum Rittergeburtstag sowie zahlreiche Aktionen und öffentliche Führungen runden das Programm ab. In der großzügig gestalteten Ausstellung erwarten das Publikum vielfältige Themen, anschaulich dargestellt mit eindrucksvollen und teilweise einzigartigen Fundobjekten. Arbeitsstationen laden das Museumspublikum ein, steinzeitliche Techniken selbst auszuprobieren. Große Fernrohre lassen mittels moderner Technik den Blick und die Fantasie in längst vergangene Zeiten schweifen! In der Präsentation des Erdaltertums spannt sich der thematische Bogen von den ältesten Fossilien Westfalens aus dem so genannten Ordovizium vor über 450 Millionen Jahren, darunter auch sehr seltene Dreilappkrebse (Trilobiten) bis zu den fossilen Resten der ersten echten Landpflanzen aus dem Devon, die in einem Steinbruch im Volmetal bei Hagen-Ambrock entdeckt wurden. Im Mitteldevon vor etwa 350 Millionen Jahren bildeten sich die ausgestellten Massenkalk-Fossilien in einem damals küstennahen, subtropischen Korallenriff mit einer vielfältigen Tierwelt am Nordrand des Sauerlandes. Zu den seltenen Ausstellungsstücken in diesem Bereich zählt die große Bauchplatte eines urtümlichen Panzerfisches, dessen fossile Reste in Hagen gefunden wurden. Einen großen Raum in der Ausstellung nehmen die weltweit einzigartigen Fossilien der Steinkohlenzeit, dem Karbon, aus der Ziegeleigrube Hagen-Vorhalle ein. Zahlreiche Originalfunde von Großinsekten sowie von anderen Tieren und Pflanzen entführen das Museumspublikum in die rund 320 Millionen Jahre zurückliegende Urzeit. Damals lag Hagen am Rand einer Lagune. Gewaltige Schachtelhalme, Farne und Bäume bildeten einen Sumpfwald, in dem zahlreiche Insekten und Amphibien lebten. Teilweise erreichten die Libellen eine Flügelspannweite von bis zu einem halben Meter. Seit einigen Jahren gilt das Sauerland in Fachkreisen als Saurierland. In Karstspalten und Höhlen wurden an mehreren Orten die Knochen kreidezeitlicher Dinosaurier entdeckt, die vor rund 130 Millionen Jahren lebten. Im Wasserschloss Werdringen ist neben Knochen und Zähnen von Sauriern auch ein lebensgroßes Modell eines Jungtieres, ein bei Brilon entdecktes pflanzenfressendes Iguanodon, zu sehen. Ebenfalls gezeigt werden die Knochen und Zähne riesiger Meeressaurier und Haie sowie große Ammoniten, ausgestorbene Verwandte der heutigen Tintenfische, der oberen Kreidezeit vor rund 80 Millionen Jahren, die in Steinbr_uchen am Nordrand des Sauerlandes gefunden wurden. Zentrales und kaum zu übersehendes Highlight im Museum ist zweifellos die aufwändig gearbeitete Dermoplastik des eiszeitlichen Mammuts mit seinen mächtigen Stoßzähnen. Das 3,70 Meter hohe und 7 Meter lange, mit einem dichten Zottelfell bedeckte Mammut führt zurück in die letzte Eiszeit, die in Westfalen von 120.000 bis 11.000 Jahren dauerte. Ausgestellte Knochenfunde belegen, dass Mammuts auch in Südwestfalen gelebt haben und von Steinzeitmenschen gejagt wurden. Direkt neben dem riesigen Eiszeittier verweist der Schlagplatz für Feuersteingeräte aus der Zeit des Neandertalers auf einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung: die Steinzeit. Die Höhlen und Felsdächer in den Tälern der südwestfälischen Flüsse Lenne und Hönne sowie die während der Eiszeit entstandenen Flussterrassen wurden in der mittleren Altsteinzeit (vor 100.000 bis 40.000 Jahren) immer wieder von Neandertalern aufgesucht. Im Museum Wasserschloss Werdringen sind unter anderem Faustkeile, Schaber, Klingen, Waffenspitzen und andere Steingeräte aus der Balver Höhle ausgestellt. Dazu auch noch die Reste der Jagdbeute, hauptsächlich vom Mammut, aber auch Knochen von Wildpferden, Höhlenbären und anderen Eiszeittieren. Die lebensgroße Nachbildung eines eiszeitlichen, heute längst ausgestorbenen Wollhaarnashorns mit seinem Jungtier verdeutlicht das Größenverhältnis zwischen dem durchschnittlich 1,65 Meter großen Neandertaler und seinem wehrhaften Beutetier. Wie sich ein Faustkeil anfühlt und wie mit diesem und anderen Steinwerkzeugen gearbeitet werden kann, lässt sich vom interessierten Museumspublikum an rekonstruierten Feuersteingeräten direkt im Museum ausprobieren. Die originalgetreue Rekonstruktion eines altsteinzeitlichen Speers aus der Zeit um 120.000 v. Chr., verdeutlicht, dass die wirkungsvollen Waffen aus Stein, Geweih, Knochen und Holz des Neandertalers hinsichtlich ihrer Ballistik und Treffergenauigkeit mit heutigen Sportspeeren mithalten können. Am Nordrand des Sauerlandes befanden sich mehrere Lagerplätze, die während der späten Eiszeit zwischen 14.000 und 11.000 Jahren offenbar über Generationen wiederholt von Jägergruppen aufgesucht wurden. Das Museum Wasserschloss Werdringen zeigt neben originalgetreu rekonstruierten Bögen, Speeren und Harpunen auch viele andere Fundstücke der Rentierjäger. Zwischen 10.000 und 7.500 Jahren war das südwestfälische Bergland eine Region, die nach Ausweis der zahlreichen archäologischen Funde offenbar besonders gerne von Jägern und Sammlern der Mittelsteinzeit besiedelt wurde. Winzige, geometrisch geformte Feuersteingeräte, die auf den früheren Lagerplätzen der Menschen in großer Zahl gefunden wurden, dienten als Pfeilspitzen und Einsätze für Harpunen. Mit grob zurechtgeschlagenen Kern- und Scheibenbeilen, die ursprünglich in einem Schaft aus Holz und Geweih saßen, nutzten die Menschen das Holz der im Verlauf der Mittelsteinzeit immer dichter wachsenden Wälder. Vor etwa 8.000 Jahren wanderten aus dem Balkanraum kommend neue Menschengruppen nach Mitteleuropa ein, die Ackerbau, Viehzucht und Vorratswirtschaft betrieben. Aus der Jungsteinzeit, die vor rund 4.000 Jahren endete, sind ausgewählte Funde, beispielsweise Steinzeitwaffen wie Beilklingen oder auch Keramikgefäße zu sehen. Anhand der in großer Zahl gefundenen Pfeilspitzen wird die Entwicklung und zeitliche Stellung dieser sehr sorgfältig hergestellten Waffenprojektile dargestellt. Geheimnisvoll sind die rund 6.500 Jahre alten Funde der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur aus der Oeger Höhle an der Lenne bei Hohenlimburg. Es ist ein Rätsel, ob es sich bei den Tongefäßen und Steinwerkzeugen um Beigaben für eine Bestattung oder aber um Opfergaben gehandelt hat. Im September 2004 schlug im Wald beim Wasserschloss Werdringen die Steinaxt zu. Der Kölner Archäologe Dr. Johann Tinnes bearbeitete mit einem rekonstruierten Steinbeil eine 50 Zentimeter starke Eiche, die anschließend ins Museum kam. Dort steht der Baumstumpf für einen interessanten Aspekt der Jungsteinzeit - die Holzbearbeitung mit Beilklingen aus Stein. Ein Digitalvideo und die zur Herstellung eines Steinbeils notwendigen Arbeitsschritte dokumentieren im Museum dieses Ergebnis experimenteller Archäologie. Einige eindrucksvolle Ausstellungsstücke aus der Bronzezeit sehen in einem kultischen Zusammenhang. So gelangte vor etwa 3.800 Jahren ein circa 50 Zentimeter hoher Riesenbecher wahrscheinlich als Opfergabe in eine Spaltenhöhle bei Iserlohn. Zahlreiche Bronzebeile und Lanzenspitzen dokumentieren die Formenvielfalt der Waffen und Geräte. In unmittelbarer Nähe des Wasserschlosses Werdringen, am Fuße des Kaisbergs wurden drei Langschwerter aus Bronze, hergestellt vor rund 2.800 Jahren, als einer der bedeutendsten Depotfunde in Westfalen geborgen. Bis heute ist der Wissenschaft die Aufklärung des Zusammenhanges und der Bedeutung dieses einzigartigen Fundes nicht vollständig gelungen. Viele wertvolle Gegenstände wurden in den Höhlen des Sauerlandes abgelegt, wie die kleine Bronzeplastik eines Wasservogels, der aus dem Alpenraum stammte. Von Römern und Germanen sowie aus der Völkerwanderungszeit, vor 2.000 bis 1.400 Jahren, stammen mehrere Gold- und Silberfunde sowie die Überreste von Siedlungen. Im Bereich der Mittelalterarchäologie beeindrucken Armbrustbolzen, Pfeilspitzen hochmittelalterlicher Langbögen, Reitersporen und andere Attribute ritterlicher Ausrüstungen sowie Schmuckgegenstände und Münzfunde aus Bronze, Silber und Gold. Die Funde von der kurkölnischen, im Jahre 1288 zerstörten Raffenburg besitzen eine wissenschaftliche Bedeutung über Westfalen hinaus. Vom Gebälk der eindrucksvollen Architektur im Obergeschoss des Museums herab hängt eine große behauene Steinkugel, die im Frühjahr 1288 während der Belagerung der Raffenburg von einem riesigen Katapultgeschütz abgeschossen wurde. Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen Werdringen 1 58089 Hagen Telefon: 0 23 31 / 207 27 40 und 306 72 66 Fax: 0 23 31 / 207 24 47 E-Mail: info@historisches-centrum.de Internet: www.museum-werdringen.de Öffnungszeiten (ab 9.11.2004) Di - So 10.00 - 17.00 Eintritt Erwachsene/Kinder: 3,20/1,80 Euro Gruppen (ab 10 Personen): 2,90 Euro Familienkarte: 7,00 Euro Die Konzeption und Realisierung des Museums erfolgte durch das Team des Historischen Centrums Hagen in Zusammenarbeit mit den Ausstellungsgestaltern der Firma bild-werk Expo & Event GmbH in Dortmund. Die Stadt Hagen bedankt sich beim Land Nordrhein-Westfalen für die finanzielle Förderung des Museums für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen. Der Dank des Museums gilt auch dem Verein Pro Stadtgeschichte Hagen e.V. sowie der Firma Kaltenbach GmbH Außenwerbung für finanzielle Unterstützung. Das Museum für Ur- und Frühgeschichte - Wasserschloss Werdringen der Stadt Hagen bedankt sich ferner bei allen Leihgebern, Institutionen und Personen, die Konzeption und Realisierung des Museums mit Rat und Tat unterstützt haben: An der Einrichtung des Museums waren zahlreiche Institutionen, Verbände und Privatsammler beteiligt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit dem Westfälischen Amt für Bodendenkmalpflege, dem Westfälischen Museumsamt, dem Westfälischen Museum für Archäologie und dem Westfälischen Museum für Naturkunde unterstützten den Aufbau durch die Überlassung zahlreicher Exponate sowie fachwissenschaftlicher Beratung. Einen wichtigen Beitrag leisteten auch die Vereinigung Westfälischer Museen, das Geologisch-Paläontologische Museum sowie das Paläobotanische Institut und das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, das Ruhrlandmuseum in Essen und das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum. Der Märkische Kreis mit seinen Museen der Grafschaft Mark auf Burg Altena steuerte eine Anzahl von Leihgaben hinzu. Auch viele private Leihgeber, besonders Lutz Koch (Ennepetal), Horst Klötzer (Iserlohn), Helmut König (Hagen), Jürgen Legant (Ense) und Ulrich Lemke (Wetter) bereicherten die Ausstellung mit zahlreichen paläontologischen und archäologischen Fundstücken.
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Donnerstag, 24.05.2012 - 05:27 - 1416 Seitenaufrufe
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