Geschichtsträchtiges Haus zum Leben erweckt
22.08.2006
Wenn Steine reden könnten, gäbe es in den Räumen des seit sechs Jahren leer stehenden Hotels Danne in der Hochstraße 76 mit Sicherheit die ein oder andere spektakuläre, traurige oder auch amüsante Begebenheit zu berichten.
Denn das Hotel blickt auf eine bewegende Geschichte zurück, da es eine Weile sowohl als Stundenhotel und später als Asylantenheim genutzt wurde. Auch die legendäre
Diskothek Metronom im Erdgeschoss des Gebäudes ist vielen Hagenern bestimmt noch ein Begriff.
Seinen Namen erhielt das Hotel Danne vom ehemaligen Besitzer des Hotels, Herrn Josef Danne, damals wohnhaft in Königswinter. Das Haus verfügt über vier Etagen mit insgesamt 30 Zimmern und steht seit 2000 völlig leer.
Als das Kulturamt der Stadt Hagen die Idee zu einem Künstlerhaus im Rahmen des Projektes
BLAU! Kunst Stelle Hagen hatte, wurde diese sofort begeistert aufgenommen.
Sowohl die vitareo Immobilienmanagement GmbH, die seit 1989 für die Inhaberin das Gebäude verwaltet, als auch die Mitglieder des FrauenKunstForums Südwestfalen waren sich sicher, dass der Standort direkt gegenüber des Neuen Museumszentrums idealer nicht hätte sein können.
Vom 21. bis 29. August 2006 werden sieben Künstlerinnen in der erste Etage ein facettenreiches Atelier entstehen lassen, das zum Zuschauen und Fragen einlädt. Das FrauenKunstForum arbeitet häufig in Form von Kooperationsprojekten von Künstlerinnen und Kunstschaffenden, die sich dann im Prozess des Entstehens über neue Arbeits- und Projektzusammenhänge immer weiter verdichten.
Die sieben Künstlerinnen stellen sich vor:
Marlies Backhaus empfängt die Besucher in der ehemaligen Küche des Hotels. Im abgedunkelten, nur durch eine Schwarzlichtlampe beleuchteten Raum erkennt man schemenhaft die Bruchstücke einer am Boden liegenden Gestalt, die Installation trägt den Titel
Blaue Stunde. Die Künstlerin wohnt in Attendorn und war dort mehr als 30 Jahre als Kunsterzieherin tätig. 1994 gründete Marlies Backhaus in Olpe ein Kinderatelier; seit dieser Zeit stellt die Künstlerin in nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen ihre Werke aus.
Margarete Eppendorf wird in ihrem Atelier die digitale Fotoserie mit dem Titel
Hydropiraterie ausstellen. Ihre Arbeit widmet die Künstlerin dem Leitspruch
Wasser ist Leben, denn Millionen BolivianerInnen rebellieren in ihrer Heimat erfolgreich gegen die Privatisierung des Wassers. Margarete Eppendorf wurde in Rumänien geboren und studierte bildende Kunst an der Universität Bochum. 1994 wurde die Künstlerin für einen Dokumentarfilm im Rahmen der Internationalen Bauausstellung ausgezeichnet.
Karin Jessen unterteilt ihre Arbeiten in zwei Themenbereiche, zum einen stellt die Künstlerin Menschen in Beziehungen zueinander dar und zum anderen thematisiert sie menschliche Phantasiereisen und Gefühle. Ihre Werke erzählen Geschichten von Freude und Wehmut, Flüchtigkeit und Ewigkeit, von Chaos und Ordnung. Dies alles präsentiert Karin Jessen im Rahmen ihres Ateliers unter dem Titel
Blaue Stunde. Die Künstlerin arbeitet seit 1997 als freie Malerin und war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.
Annette Kögel gibt ihrem Ausstellungskonzept den Titel
B(L)AUSTELLE, in Anlehnung an den Bau des Emil Schumacher Museums. Die Künstlerin arbeitet mit Styropor und einer Acryl-Mischtechnik und präsentiert in Form von Steinen und Platten in Kobalt-, Ultramarin-, Indigo- und Pariser Blau ihre Installation unter Bezugnahme auf die langjährige Diskussion im Rahmen des Museumsneubaus. Nach Annette Kögels Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie in Bochum wurde sie 2005 Meisterschülerin bei Prof. Dr. Qi Yang. Seit 2001 ist die Künstlerin regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.
Stoff ist das Material, das
Ursula M. Weiner für ihre Installation mit dem Titel
Yemaja ausgewählt hat. Die Künstlerin wird – in Anlehnung an das Hagener Projekt – Stoffbahnen in unterschiedlichen Blautönen an Seilen und Stäben befestigt, in ihrem Atelier präsentieren. Darüber hinaus gestaltet die Malerin einen bereits im Zimmer vorhandenen Wandschrank zu einem Triptychon um. Ursula M. Weiner studierte Kunstpädagogik und Gestaltungstechnik an der Gesamthochschule Essen und der Folkwangschule in Essen. Neben zahlreichen anderen Projekten und Ausstellungen arbeitet sie seit 1992 verstärkt an kulturhistorischen und musikwissenschaftlichen Projekten im karibischen Kulturraum mit.
Die Künstlerin
Rosi Wolf-Laberenz hat sich für ihre Arbeit
Versuch den wohl ungewöhnlichsten Raum in der ersten Etage ausgesucht: das alte Badezimmer. Das Konzept der Künstlerin sieht vor, unzählige konische, blau gefärbte Figuren nach und nach in dem Bad zu installieren. Diese stetige Veränderung des Raumes plant die Künstlerin täglich per Foto zu dokumentieren und diese an einer Wand des Raumes zu präsentieren. Rosi Wolf-Laberenz ist seit der Gründung die Vorsitzende des FrauenKunstForums und studierte an der FH Dortmund Objekt-Design.
Andrea Wyskott-Blauschek wird in ihrem Atelier nicht nur selbst gestalten – sie lässt auch gestalten! Deshalb lädt die bildende Künstlerin zur eigenen Herstellung von
Flusslandschaften ein. Ausgehend von einem alten Hagener Landschaftsplan soll eine gemalte Landschaft entstehen, in der die vier Flüsse und die beiden Seen in der unmittelbaren Umgebung Hagens besonders hervorgehoben werden. Besucherinnen und Besucher sind aufgefordert, die in 15 gleichgroße Flächen aufgerasterte Bildvorlage auf kleinen Leinwänden selbst zu gestalten. Nach seiner Fertigstellung wird das zusammengesetzte, großformatige Bild gemeinsam mit der Vorlage präsentiert. Andrea Wyskott-Blauscheck, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Wyblau“, lebt und arbeitet in Hagen.
Vom 23. bis 25. August 2006 wird auch die Ex-Sportbar
Keeper im Erdgeschoß des Gebäudes Hochstraße 76 wiederbelebt. Dann können die Besucher nämlich den Kindern der Kindertagesstätte Regenbogenhaus in der Franzstraße auf die Finger schauen. Unter Anleitung der Hagener Künstlerin
Ulrike Rutschmann sollen dann zuerst einmal die Farben im Allgemeinen erklärt werden, anschließend können die Kinder eigene Bildmotive entwickeln und diese künstlerisch umsetzen. Farbpigmente und Bindemittel sind dabei die Ausgangsmaterialien. Wie diese gerieben, gerührt, zu Farbe verarbeitet und auf Baumwolle aufgetragen werden, erlernen die Kinder an diesen Tagen auf spielerische Weise. Über zahlreiche Zuschauer würden sich die Kinder sicher freuen!
Bereits am 21. und 22. August. wird Ulrike Rutschmann von 11 bis14 Uhr gemeinsam mit den kleinen
Van Goghs oder Rembrandts auf der WR-Show-Truck-Bühne auf dem Friedrich-Ebert-Platz arbeiten.
Weitere Informationen zum Projekt
BLAU! Kunst Stelle Hagen erteilt das Kulturamt der Stadt Hagen telefonisch unter 02331-2074864 oder im Internet unter
www.kulturamt.hagen.de/blau.
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