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Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit
16.09.2009 500 Schüler lauschen Zeitzeugen im Stadtmuseum Hagen - Auf eine erfolgreiche Woche blickt das aus allen Nähten platzende Stadtmuseum Hagen zurück. Dort war Herbert Shenkman zu Gast, der Schülerinnen und Schülern über seine Jugend in Hagen erzählte. Der heute 86-jährige erlebte Kindheit und Jugend in Hagen, bis er 1942 nach Theresienstadt und von dort in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde.Komplett ausgebucht waren sämtliche Veranstaltungen mit dem Überlebenden des Holocaust, der auf so packende Weise von seinen Erlebnissen erzählte und so ein Stück deutsche Geschichte darlegte, wie es persönlicher nicht geht.
Für die 17-jährige Anna ist die Begegnung mit Shenkman ein besonderes Erlebnis: „Wir haben zwar in der Schule schon Einiges über den Nationalsozialismus gehört, aber Jemanden vor sich zu haben, der das tatsächlich alles mitgemacht hat, beeindruckt mich ganz besonders.“ Auch der 15-jährige Lars ist erschüttert, als er von Shenkman erfährt, wie das Leben im KZ war. Der 86-Jährige zeigt ihm und den anderen im Saal ein kleines Päckchen Brot, die damalige Tagesration. Als er dann noch ergänzt, dass es Fleisch nur ganz selten gab und auch nur dann, wenn ein Tierarzt bescheinigte, dass es für den menschlichen Verzehr ungeeignet ist, ist Lars fassungslos: „Ich verstehe nicht, wie man so etwas machen kann, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind.“ Nach dem Vortrag Shenkmans gibt es Fragen über Fragen, die der sympathische ältere Herr gerne beantwortet. Seine Botschaft an die Jugendlichen betont er dabei immer wieder: „Das schlimmste war die Gleichgültigkeit, dass sich Niemand für das interessiert hat, was mir passierte.“ Deshalb gibt er allen mit auf den Weg, gut aufzupassen, alles genau zu beobachten und nicht zu schweigen. Stadtmuseum und Jugendring haben den heute in Berlin lebenden Shenkman nach Hagen geholt. Um seine Erlebnisse für die Nachwelt zu erhalten, wurde der Besuch per Video dokumentiert. Jetzt wird daraus eine DVD produziert, die dann kostenlos an Lehrerinnen und Lehrer abgegeben wird. Möglich macht das der Förderverein des Stadtmuseums „Pro Stadtgeschichte Hagen e.V.“. Die nächste Zeitzeugenwoche im Stadtmuseum Hagen steht bereits an, ist aber schon komplett ausgebucht. Vom 6. bis zum 9. Oktober berichtet dann Karl-Heinz Saul wie er als Vierjähriger bei einem Bombenangriff auf Hagen verschüttet wurde und in der zertrümmerten Stadt nach seiner Mutter suchte. Die Ausstellung „Und sie werden nicht mehr frei – Jugend im Nationalsozialismus“, die Anlass für die Zeitzeugenwochen ist, ist noch bis zum 15. November 2009 im Stadtmuseum Hagen zu sehen. Für Schulklassen gibt es noch einige wenige Termine, sich in einem interessanten museumspädagogischen Programm durch die Ausstellung führen zu lassen. Anmeldungen unter Telefon 02331/207-2740.
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Freitag, 10.09.2010 - 12:49 - 6881 Seitenaufrufe
