Phoenix Hagen – Wohin gehst Du?
07.11.2004
Ich habe mir erstmal alle Kommentare zur katastrophalen Vorstellung in Rhoendorf gespart. Heute durfte man in der Ischelandhalle wieder eine vergleichbare Leistung bewundern.
Aber fällt ein kritisches Wort? – Im Grunde nicht…
Stattdessen werden ein paar aufbauende Worte zu Volk gesprochen, die Bremerhavener Leistung wird im direkten Gespräch, seien wir ehrlich, verunglimpft.
Bremerhaven hat also gewonnen, weil sie a) mehr Geld haben und b) fast ausschließlich auf ausländische Spieler setzen. Matthias Grothe gesteht wenigstens ein, dass man den ein oder anderen Korbleger (mehr) hätte treffen können…
Soweit, so gut, dann wird den Zuhörern jedoch ein Sieg in Paderborn versprochen. Da muss ich dann aber fragen ob man an Realitätsverlust leidet?
Paderborn steht mit 12:0 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz. Zudem haben sie in der letzten Woche mit Schwelm einen zugegebener maßen eher schwachen Erstligisten im Pokal geschlagen.
Nebenbei haben die vorgeladenen Bremerhavener fein mitgespielt und die Phoenix-Leistung wohlwollend gelobt und die Mannschaft in den erweiterten Favoritenkreis erhoben. So gesehen nette Gäste!
Die Krone setzt dem Ganzen dann noch die Stammtisch-Rede des Phoenix Aufsichtsrat-Vorsitzenden Haensel auf. Die verwendeten rhetorischen Mittel erinnerten eher an das dritte Reich, als an jemanden der in der Lage ist die nötige Professionalität an den Tag zu legen, die für eine wieder-Etablierung des Hagener Basketballs in der Deutschen Spitze nötig sein sollte.
Hierbei greife ich keineswegs die Leistungen hinter den Kulissen an. Aber ein solcher Auftritt im 21. Jahrhundert? …bitte, bitte, bitte!!!
Nun kommen wir zum Spiel:
Bis zum 10:10 konnte man ordentlich mithalten, obwohl sich schon genug Fehler eingeschlichen hatten, die die Bremerhavener aber nicht nutzten. Es haperte an beiden Enden des Feldes. In der Offensive wie gewohnt kein System, defensiv wurde Kraut und Rüben gespielt. Für Bremerhaven gab es nahezu nur einfache Punkte, Phoenix punktete zufällig oder durch Einzelaktionen.
Der Kampf mag erneut gestimmt haben, wie Matthias Grothe richtig bemerkte bringt dies aber nichts, wenn es kein Spielsystem gibt. Dies sind selbstverständlich nicht seine Worte, aber ich interpretiere dies einmal in die Aussage hinein, dass jeder für sich gekämpft hat, aber nicht als Mannschaft.
Das Spiel endete übrigens 74-109 nach einem Halbzeitstand von 26:59. Wie der Aufsichtratvorsitzende in seiner flammenden Rede richtig bemerkte, konnte sich die Mannschaft im Verlauf der zweiten Halbzeit von etwa -40 bis auf -30 Punkte „herankämpfen“. Dass dies in Abwesenheit der besten Bremerhavener Spieler geschah, lassen wir mal außen vor.
In der zweiten Halbzeit konnte man eine starke Vorstellung von Loukas Lazoukits bewundern. Zugegeben, wird er kaum oft so ein glückliches Händchen von der 3er Linie beweisen, aber auch seine Penetration zum Korb und der Abschluss mit mehreren Spielern an seinen Fersen lässt für die Zukunft hoffen.
Obwohl es vielleicht nicht ins Konzept passt, hat sich hier ein Spieler mit Führungsqualitäten angeboten. Sicher die einzige Chance noch in dieser Saison eine passabele Offensive aufzubauen.
Ebenfalls muss Robin Gieseck gelobt werden, der in den wenigen Minuten eine echte Bereicherung war. Julian Poeschke spielte einige Minuten mit bemerkenswerter Leistung. Sicher hat er keine Wunderdinge vollbracht, konnte aber mit einigen guten Aktionen glänzen.
Kommen wir zum Schluss noch zum wichtigsten Thema:
die Ablösung der Trainers.
Es tut mir leid, aber er stand schon in der letzten Saison in der Kritik. Ihm eine Chance mit einer „guten“ Mannschaft zu geben hat sich offensichtlich als Fehler herausgestellt. Fair war es allemal. Aus den schlechten Leistungen ragt lediglich das Spiel gegen Düsseldorf heraus. Dies war ein tolles Spiel. Auffällig aber, dass sich Matthias Grothe in den letzten Sekunden mehr oder weniger selber (wieder-) Einwechselte.
Ich erinnere auch an die „Fleppe“ die Grothe gezogen hat, als er sich heute in den letzten Minuten auf die Bank setzen durfte. Ebenso mögen sich einige Zuschauer an die Diskussion zwischen Robin Gieseck und Tome Zdraveski beim Spiel in Rhoendorf erinnern.
DIESER Trainer genießt nicht den Respekt seiner Mannschaft! Wenn ich als Zuschauer NUR die taktischen Leistungen auf dem Feld und das „In-Game-Coaching“ beurteilen kann, dann habe ich meiner Ansicht nach den schwächeren Trainer immer in Hagen gesehen.
Ich möchte also lieber eine Ablösung des Trainers sehen, als das „Hagener-Konzept“ in Frage zu stellen. Eines von beiden wird kurzfristig passieren. Wir haben bessere Spieler als die Ergebnisse der letzten Spiele andeuten. Diese Spieler haben eine faire Chance verdient. Mit einem Trainer der seiner Aufgabe gewachsen ist.
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