Phoenix Hagen in Göttingen erneut deklassiert

28.11.2004

Guter Hoffnung ging es nach Göttingen. Der Gegner am 9. Spieltag der 2. Basketball-Bundesliga Nord hatte in der Vorwoche die ersten Federn beim den vorher sieglosen Cuxhaven BasCats gelassen.


Ein Blick auf die bisherigen Spiele zeigte auch keine „Spitzen-Teams“ bei den bisher 7 Göttinger Siegen. Die Aufgabe schien also schwer, aber auch nicht unlösbar.

Schwer gefehlt, wie sich schnell herausstellte. Beim 8:5 für Göttingen nach einem Dreier von Nils Longerich war Phoenix Hagen das letzte Mal in diesem Spiel in Schlagdistanz. Schon in der dritten Minute war Göttingen durch Dreier von Ulin und Mulic auf 14:5 davongezogen.

Phillip Günther war mit der Verteidigung des Amerikaners Kasey Ulin, der an den ersten 5 Korberfolgen der Göttinger beteiligt war, völlig überfordert. Hier darf die Frage erlaubt sein, warum man mit den Point-Guards Lazoukits und Günther startet und mit Roman Hogräfer den wohl besten Verteidiger im Team (auf den kleinen Positionen) auf der Bank sitzen lässt.

Hogräfer kam dann auch nach einigen Minuten, aber das Kind war schon in den Brunnen gefallen. Die Göttinger hatten nun einen echten Lauf und es fiel auch der ein oder andere Wurf zuviel. Zumindest wenn man selbst statistische Ausnahmesituationen zu rate zieht.

Das erste Viertel ging dann mit 40:13!!! an Göttingen. An beiden Enden des Feldes schien es von Hagener Seite aus keinerlei geplante Aktionen zu geben. Die Göttinger Spieler bekamen meist meilenweit offene Würfe und verwandelten mit atemberaubender Sicherheit.

Auf der anderen Seite bot das Phoenix Team Standbasketball. Entsprechend konnten keine guten Wurfpositionen erarbeitet werden und „Abschluß-Versuche“ wurden meist zu Verzweifelungstaten mit entsprechender Erfolgsquote.

Ein weiteres Indiz für das „planvolle“ Vorgehen des Phoenix Teams sind die Korbvorlagen der Point Guards. Phillip Günther schaffte mittelmäßige 4, Loukas Lazoukits konnte nicht ein einziges Mal den „tödlichen“ Pass anbringen (nach 10 Assists in der Vorwoche).

Viertel Nr. 2 sah für den Zuschauer optisch auch nicht wesentlich besser aus, aber mit 27:19 konnte man den Abstand immerhin auf moderaten 8 Punkten halten.

Zur Halbstand stand es dann 67:32 für Göttingen. Der Gastgeber hatte bis dahin 12 von 16 Dreiern getroffen. Beeindruckend, aber die meisten waren auch völlig unbedrängt.

In der Halbzeit gelang es mir dann eine kostenlose „Phoenix-Hagen“ Nikolaus Mütze zu ergattern. Komischerweise wurden diese von den Göttingern verteilt. Die Frage der Farbwahl (Blau mit gelben Saum) konnte mir keiner beantworten, aber immerhin ein schönes Souvenier.

Aus sportlicher Sicht wurde es im dritten Viertel richtig erfreulich. Roman Hogräfer nahm den bisher überragenden Kasey Ulin (allein 26 Punkte in der ersten Halbzeit) an die Kette und konnte ihn nahezu wirkungslos machen. Das zeigte dann auch Wirkung auf das Göttinger Team. Ulin produzierte (unter Druck) nun auch einige Turnovers. Die Offensive der Gastgeber geriet nur auch in Probleme offene Würfe zu bekommen.

Unter dem Druck der „Shot-Clock“ sank die Wurfquote deutlich und das Viertel konnte mit 22:21 für Göttingen ausgeglichen gestaltet werden, wobei durchaus noch ernsthafter Sport von beiden Seiten geboten wurde.

Das vierte Viertel ging mit 24:28 an Phoenix, jedoch spielte Göttingen zu größten Teil mit der Regional-Liga Mannschaft. Dieser Spielabschnitt war sicher auch keine Augenweide aus Hagener Sicht, da es kaum gelang sich gegen den Nachwuchs der Gastgeber durchzusetzen.

Am Ende saßen 3 der 8 eingesetzten Phoenix Spieler mit 5 Fouls auf der Bank. Weitere drei Hagener Spieler waren mit 4 Fouls belastet. Sicherlich wieder mal kein Sahnetag für die Unpateiischen.

Fazit: Lichtblicke gab es an diesem Abend wenige. Roman Hogräfer bot sicher die stärkste Leistung der Saison. Allein das „Kaltstellen“ des stärksten Spielers der Göttinger wäre schon Leistung genug. Dazu kamen aber auch noch 8 von 12 Treffer aus der 2-Punkt-Distanz. Dreier und Freiwürfe wie gewohnt schwach, aber damit muss und kann man leben.

Bei Adam Baumann setzt sich der Aufwärtstrend fort. Mit 12 von 19 Würfen aus der 2-Punkt-Distanz und guten 11 Rebounds kann man von einer tadellosen Leistung sprechen. Unnötig waren vielleicht seine zwei Dreierversuche (erst Nummer 2 und 3 in dieser Saison), aber andere haben sicher schlechtere Distanzwürfe abgeliefert.

Rebounds: Wieder mal erschreckende Defizite. Das Rebound Duell ging mit 40 zu 22 an Göttingen. Genau die Hälfte aller Hagener Rebounds also von Baumann.
Zu beachten: Bei Göttingen fehlten mit Michael Schröder (9,1 Rebounds pro Spiel) und Dwayne Kikley (7,3 Rebounds pro Spiel) die besten Rebounder des Teams. Naja, Kikley spielte angeschlagen 4,5 Minuten (und holte 3 Rebounds) konnte dann aber geschont werden.

Trainerdiskussion:
(Menschen die Kritik „blöd“ finden bitte nicht weiterlesen)
Als erklärter Gegner einer Verpflichtung von Tome Zdraveski als Trainer von Phoenix Hagen fühle ich mich nach den letzten Ergebnissen bestätigt. Ein Spiel zu verlieren ist sicherlich keine Schande, aber die Art und Weise wie man von Rhöndorf, Bremerhaven und jetzt auch Göttingen vorgeführt wurde ist schon erschreckend.

Dies sieht nicht wie ein „Klassenunterschied“ aus, sondern eher wie ein Unterschied mehrerer Klassen. Die Phoenix Defensive wird durch einfachste taktische Mittel regelmässig nach Strich und Faden ausgespielt.

Auf der anderen Seite glänzt man durch Konzeptlosigkeit. Gute Wurfpositionen sind Mangelware. Gute Anspiele kommen kaum vor.

Die Qualitäten und Defizite der einzelnen Spieler werden kaum beachtet. Als Beispiel möchte ich hier einmal die 3-Punkte Würfe ins Feld führen.

Phoenix Hagen hat bisher 29% aller 3-Punkt-Würfe getroffen. Überraschend, dass dies noch Platz 10 in der Liga ist. Allerdings haben alle schlechteren Teams weniger 3 Punkt-Würfe versucht. Vermutlich im Bewusstsein dieser Schwäche.

Selbst Teams mit hervorragender 3er Quote wie Bremerhaven 40,3% oder Mönchengladbach 39% nehmen weniger Dreier als Phoenix.

Rechnet man dann noch Longerich, den einzigen Legitimen 3er Schützen heraus (man beachte auch die Statistiken der letzten Saison), dann bleiben bei Phoenix Hagen noch 25,7% Dreier-Quote. Damit ist man gleichauf mit Liga-Schusslicht Schalke.

Fazit daraus wäre das 3er Schiessen auf ein Minimum zu reduzieren und zu versuchen wirklich offene 3er für Longerich herauszuspielen. Diese verwandelt er mit etwa 60-70%. Unter Druck sinken aber auch seine Zahlen rapide.

Verteidigung:
„Terrier“ Roman Hogräfer ist in der Lage jedem Aufbau-Spieler in der 2. Liga einen echt üblen Abend zu bereiten. Nicht zuletzt darf man ihm und Loukas Lazoukits für den Sieg gegen Bremen danken. Die Verteidigung der beiden gegen die Bremer Guards in der Schluss-Phase war herausragend. Ich möchte nicht orakeln wie das Spiel ohne die wichtigen Steals in den letzten Minuten ausgegangen wäre.

Aber hat man diese Stärke gegen Göttingen zu nutzen versucht? Eher erst in Halbzeit 2 nachdem Phoenix von den Göttinger Guards Ulin und J. Schröder 9 Dreier kassiert hatte. Beide liegen über die Saison bei knapp 50% 3er Quote. Wäre diese Gefahr also nicht voraussehbar gewesen?

Aussicht:
Von der Vorab-Betrachtung scheint die Hinrunde nun gelaufen. Es kommen nur noch machbare Gegner. Naja, Gladbach steht immer noch mit nur einer Niederlage oben. Nach den letzten Leistungen sehe ich auch hier schwarz…

Nur so am Rande: Wenn ich mich nicht ganz täusche, müsste Phoenix nun die Ehre haben die zwei schlechtesten Viertel in dieser Saison gespielt zu haben. -27 gegen Göttingen und -24 gegen Bremerhaven. Ein Viertel aus Rhöndorf könnte eventuell auch noch für die Top 5 reichen. Aber keine Sorge, die meisten Punkte in einem Viertel (43) hat Iserlohn in Krefeld kassiert.

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