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Jennifer Bongardt holt Silber bei der Kanu WM
05.12.2003 Die Tschechin Stepanka Hilgertova hat in ihrer Kanuslalomkarriere viel erlebt. Die 35-jährige Mutter eines 16-jährigen Sohnes gewann bereits zweimal olympisches Gold und paddelt weiterhin mit jugendlicher Frische. „Das war wohl der schnellste Endspurt meiner Laufbahn“, gab die Pragerin gestern zu. Eine derartige Kraftanstrengung auf den letzten Metern war auf dem Augsburger Eiskanal auch nötig um der 20-jährigen Jennifer Bongardt von den Wassersportfreunden Köln im Finale doch noch den Weltmeistertitel im Kajak-Einer zu entreißen.Genau 2,79 Sekunden lag die Tschechin vor der deutschen Nachwuchshoffnung und wurde dafür von zahlreichen Fans aus ihrer Heimat mit Trommelwirbel und Dauergesängen gefeiert. Aber auch in der deutschen Mannschaft sah man viele lachende Gesichter. „Jennifer hat ihre Leistung genau am richtigen Tag auf den Punkt gebracht“, jubelte Kajak-Bundestrainer Klaus Pohlen.
Mandy Planert aus Leipzig, im vergangenen Jahr noch Vizeweltmeisterin, hatte dagegen Trost nötig. „Ich bin sehr traurig“, gab die sonst so fröhliche 28-jährige zu. Hinter der Amerikanerin Rebecca Giddens reichte es nämlich nicht mehr zu einer Medaille. Zweimal Null Fehler und doch nur Rang vier. „Ich war zu vorsichtig“, sagte Planert und drückte das kleine Stofftierchen fest an sich. Unten am Kanal wurde gerade Jörg Hofbauer nach Kanutensitte „belohnt“ und in hohem Bogen ins Wasser befördert. Der Cheftrainer von Schwaben Augsburg betreut die deutschen Damen bei der WM. Jennifer Bongardt ließ sich derweil von den Journalisten löchern. Es ist ja auch eine anheimelnde Geschichte wie die junge Sportsoldatin sich auch von hartnäckigen Verletzungen (siehe „Zur Person“) nicht entmutigen ließ. „Doch es war schon schwierig sich immer wieder neu zu motivieren.“ Gestern schockte sie die Konkurrenz mit einem glanzvollen Lauf im Halbfinale. „Dabei war ich so nervös wie noch nie“, sagte die Wahl-Augsburgerin. Obwohl sie an Tor 16 einen Stab berührte und dafür zwei Strafsekunden erhielt, war sie nur eine Hundertstelsekunde langsamer als Stepanka Hilgertova, die Kajak-Königin aus Prag. Claudia Bär aus Augsburg hatte dagegen über elf Sekunden Rückstand und kam nicht über Platz 25 hinaus. Im Finale fand Rebecca Giddens den schnellsten Weg durch die künstlichen Stromschnellen. Die amerikanische Weltmeisterin des Jahres 2002 wollte ihren Titel nicht so einfach hergeben. Aber zwei Damen waren an diesem Tag noch besser in ihrem Element. Jennifer Bongardt rettete sich - wieder mit zwei Strafsekunden - vor Giddens ins Ziel. Silber war ihr sicher und Gold in greifbarer Nähe. Aber Stepanka Hilgertova spielte ihre ganze Routine aus und lag am Ende vorne - wie so oft. Und die Kajakfahrerinnen müssen sich darauf einstellen, dass ihnen die Paddelexpertin aus der goldenen Stadt als Konkurrentin erhalten bleibt. „Athen 2004 ist ja nicht mehr so weit weg.“
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Donnerstag, 24.05.2012 - 09:34 - 2694 Seitenaufrufe
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