Ohne Glanz und Glamour

Datum: 04.05.2006 bis 14.05.2006

Mehr als 50 Prozent der Frauen, die in Deutschland in der Prostitution arbeiten, sind nicht-deutscher Herkunft, 80 Prozent von ihnen kommen aus Osteuropa.

Sehr viele werden durch ein System von Menschenhändlern versklavt, welche die Frauen unter falschen Versprechungen nach Deutschland schleusen und hier zur Prostitution zwingen. Erst durch die Nachfrage floriert das Geschäft dieser Kriminellen.

Die Ausstellung Ohne Glanz und Glamour - Prostitution im Zeitalter der Globalisierung in der Ev.-Lutherischen Pauluskirche, Gutenbergstraße, setzt sich kritisch mit den Fragen auseinander: Welche Dimensionen und Formen hat das Geschäft mit der Ware Frau heute? Wer ist beteiligt, wer gewinnt und verliert? Bekannte und engagierte Fotografinnen und Fotografen ermöglichten es, die informativen Texte auf den Ausstellungstafeln mit eindrucksvollen Fotos zu begleiten.

In Hagen haben sich die Zuwanderungsberatungsstelle des Diakonischen Werkes, die Paulus-Kirchengemeinde und die Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen zusammen getan, um durch diese Ausstellung eine Annäherung und Auseinandersetzung mit einen Tabuthema zu erreichen.

Die Ausstellung hat einen örtlichen Bezug durch die Arbeit der Beratungsstelle für die Opfer von Menschenhandel, die zur Zuwanderungsberatungsstelle des Diakonischen Werkes gehört. Seit nunmehr sechs Jahren betreuen die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Frauen, die Opfer von Zwangsprostitution geworden sind.

Sie bringen die Frauen in gesicherten Wohnungen unter, damit sie nicht von ihren ehemaligen Zuhältern bedroht werden können. Sie helfen ihnen bei Behördengängen und bei der psychischen Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse und im Alltag in einer fremden Umgebung. Sie begleiten die Frauen auch bei den Prozessen, falls sie bereit sind, gegen ihre ehemaligen Peiniger auszusagen.

Die Beratungsstellen sind für den Weg zurück in ein normales Leben für die betroffenen unverzichtbar. Sie sind aber unverzichtbar für die Staatsanwaltschaft, ohne die Aussagen der Opfer könnten die Menschenhändler nicht verurteilt werden.

Frauenhandel findet hier in unserer Umgebung statt. Auch im Raum Hagen hat es Prozesse gegen Frauenhändler gegeben. Es gibt laut Landeskriminalamt keine Hinweise darauf, dass diese Form von organisierter Kriminalität abnimmt, die Dunkelziffer ist nicht kalkulierbar, wie auch Polizeipräsidentin Ursula Steinhauer in ihrer Eröffnungsrede betont.

Die einzigen Zeugen, die der Polizei - auch anonym - Hinweise geben könnten, sind die Freier Auch Rita Kühn, Fachreferentin vom Diakonischen Werk Westfalen, plädierte in ihrer Rede dafür, die Männer dahingehend zu sensibilisieren.

Wenn die Freier merken, dass die Prostituierten sich ängstlich verhalten, kein Deutsch sprechen und das Geld nicht selbst in Empfang nehmen dürfen, sollen sie dies der Polizei oder der Beratungsstelle unter Telefon 02331-3860465 melden.

Die Ausstellung von Terres des Femmes in der Pauluskirche ist bis zum 14. Mai 2006 zu sehen. Montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr und sonntags von 12 bis 14 Uhr.

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Donnerstag, 24.05.2012 - 15:07  - 4898 Seitenaufrufe 

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