Die vitale Tanzscene Österreichs zu Gast in Hagen

Datum: 17.05.2008 bis 18.05.2008 - Beginn: 20:30 Uhr

„Von Österreich kommen wichtige Impulse für den zeitgenössischen Tanz“, erzählt Rita Viehoff, Programmmacherin des Tanztheaterfestivals TanzRäume.

Und da das Hagener Festival in den letzten Jahren vielfach wichtige Tanzimpulse in der Stadt initiiert hat, ist die Beteiligung am NRW-weiten Kulturfestival „scene: österreich in nrw“ eine gute Gelegenheit, der Bedeutung Österreichs für den Tanz Tribut zu zollen.
Österreich zu Gast bei Tanzräume 2008

Drei der interessantesten Tanzcompagnien aus Wien und Salzburg, den Tanzzentren Österreichs, werden am kommenden Wochenende im Opus – neue Bühne hAGEN gastieren. Damit besteht die einmalige Chance, sich in kurzer Zeit einen Überblick über die aktuelle Tanzlandschaft des Nachbarlandes zu verschaffen.

Den Auftakt am Samstag, 17. Mai 2008 um 20.30 Uhr, macht die preisgekrönte Choreographin Helene Weinzierl aus Salzburg. Seit über 25 Jahren im Geschäft ist die Tänzerin und Choreographin eine feste Größe in Salzburg mit internationaler Strahlkraft. Ihre neuestes Stück „Life is not a picnic“ ist eine humorvolle Kritik an unserer Gesellschaft.

Es ist keine Neuigkeit, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist. Aber welche Rolle genau der Konsum dabei spielt, wird gern unterschätzt. In dokumentarischer Herangehensweise haben Weinzierl und ihre Tänzer Alltagssituationen in Einkaufszentren und Fußgängerpassagen beobachtet und Bewegungen, Abläufe und Zustände in den Tanz übersetzt.

Ob vorm Schaufenster, auf der Rolltreppe oder in der Schlange, roboterhaft und fließbandartig verrichten die Tänzer das vom modernen Menschen Erwartete. Ihre Bewegungen überzeichnen, bringen auf den Punkt und machen unsichtbar Routiniertes begreifbar deutlich. Dieser Spiegel wird die Zuschauer vielfach überraschen und zum Lachen bringen, gerade weil jeder denkt, er habe dieses System durchschaut.

Am Sonntag, 18. Mai 2008 um 20.30 Uhr, gastiert eine Wiener Company unter der Leitung von Elio Gervasi. Der Italiener hat, bevor er in Wien seine Wahlheimat fand, bei den großen Namen der internationalen Tanzwelt gelernt, darunter der Amerikaner Merce Cunningham oder Susanne Linke, die kürzlich den deutschen Tanzpreis gewann.

In „One, Two + Three“ zeigt Gervasi über sieben kurze, konzentrierte Episoden seinen Ideenreichtum. Er wählt dafür eine Präsentationsform, die der Schnelllebigkeit unserer Medienwelt ähnelt und gleichzeitig sehr unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt stehen der Körper und seine Anpassung an die Erfordernisse des Alltags. Durchrationalisiert wie seine Umgebung verliert er seine individuelle Körperlichkeit und Bedürfnisse.

Da dient dem Meisterchoreographen zum Beispiel ein Kleiderbügel als Metapher für Unterdrückung; ein alltäglicher Gegenstand, der nur benutzt und weggehängt wird. In der Kurzchoreografie „Das Kleid von...“ steht die Kleidung für Normen und Vorschriften, denen man sich unterordnen muss. Aber sie gibt auch Schutz, ordnet und provoziert Aufbegehren. Zum Schluss des Tanzabends zeigt Gervasi sich selbst auf der Bühne, wenn er sich auf skurrillustige Weise zum Thema Popcorn improvisiert.

Den Abschluss des Österreich-Schwerpunkts von TanzRäume bildet am Montag, 19. Mai 2008 um 20.30 Uhr, die editta braun company. Nicht umsonst wird Editta Braun als die Grande Dame des zeitgenössischen Tanzes made in Salzburg bezeichnet. Seit mehr als 15 Jahren bereichert sie die Szene mit ihren überaus poetischen und experimentellen Choreographien.

Auf internationalen Bühnen unterwegs und vielfach ausgezeichnet, widmet sie sich in „Luvos vol.2“ einer poetischen Vision einer anderen Welt, die tief berührt und ein absolutes Muss für jeden Tanzbegeisterten ist. In einem Meer leuchtend roter Kugeln bewegt ES sich. Dunkeldüster ist das Licht; Töne und Geräusche verstärken den unheimlichen Mantel, der sich über der Bühne ausbreitet.

Beine, Füße, Knie tauchen auf – zucken, greifen, wackeln von unsichtbaren Wellen getrieben. Aber die Körper der Tänzer sind keine Körper, wie wir sie kennen. Editta Braun gelingen extreme Blicke auf Körper, die einem anderen Planeten zu entstammen scheinen.

Mit diesem Tanzschwerpunkt ist Hagen eine von acht Städten des Kooperationsprojekts „scene: in nrw“, welches jedes Jahr ein anderes Land zu Gast nach NRW bittet. Hier wird nicht nur hochkarätige Kultur aus allen Sparten der Kunst gezeigt, sondern auch eine Plattform für die beiden Kulturhauptstädte Linz09 und Ruhr2010 entwickelt sowie die Möglichkeit, langfristig den Kulturaustausch auf internationaler Ebene gefördert.

Gefördert mit Mittel des Landes NRW und der Dörken-Stiftung. Karten sind an der Theater- und Konzertkasse Hagen, Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen, Telefon 02331-207 3218 und -3219, www.theater-hagen.de, erhältlich. Weitere Informationen unter www.tanzraeume.hagen.de

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